Nicht viel zu erzählen. Die Nacht war etwas wild; die Wellen schlugen oft übers Deck und spritzten an unser Fenster. Die Sonne scheint hell; das Meer dunkelblau; merklicher Unterschied schon in allem. Nach dem Frühstück Matrosen- und Personal-Revue, much ado about nothing.
Dann: es bimmelt lang und stumpfsinnig! was kann das sein? „Are you not going to the service“, frägt mich eine alte Hudson, Frau oder Freundin oder – wollen wir nicht hoffen – vom Pastor Spurgeon! „No“, antworte ich, „I am German and am afraid not to follow well the sermon”. Also richtig gibts Kirche.
Diese Puritanerei ist wirklich grenzenlos; der Speisesaal wird zur Kirche; alles, mit Ausnahme der Freidenkenden gehen hin; diese Freidenkenden sind Cl. u. ich, ein Jude mit seiner Nichte, und der gute dicke Nelson. Welche Klänge tönen von unten? Namenlose Hymnen auf platte Volksmelodien.
Inzwischen wir das Meer ruhiger; wir sind am Cap Finisterre angelangt (10 Uhr), allerdings nicht zu sehen, da der Nord-Ost-Wind den Capitain bestimmte, weiter draussen zu bleiben, da die Künste ihn uns genommen hätte. Kein Land den ganzen Tag. Nach dem Luncheon, was ich mit wahrem Heisshunger verschlinge, vertatterte ich mit Sterne u. Bulwer (Eugen Aram angefangen). – Alles sieht Sonntäglich hübsch aus. – Abends, nach dem Essen, befreunden wir uns mit reizenden kleinen Engländerinnen (darunter die Eine, welche Boni gleicht), mit denen wir promenieren und lachen und schwätzen. Sie gehen um ½9 Uhr mit den anderen wieder zum Gottesdienst. – Der Abend ist göttlich schön! Warme Luft – himmlischer Mond – – – wir promenieren wieder mit den hübschen Mädchen. – – Um ½12 Uhr zu Bett. – Das Meer wie ein Spiegel. –
