Richard Wagner an Friedrich Feustel

2. Februar 1876

O mein theuerster Freund! 

Einen Brief nach Monaten von mir zurückverlangen, ist ein Attentat auf meine Natur! Ich habe an Brassin ausführlich geschrieben – was ich aber mit seinem Briefe gethan habe, weiß ich nicht, – da ich ihn nicht finde. Verzeihen Sie das!! –

Im Betreff unserer großen Geschäfte für die Unsterblichkeit müssen wir uns wohl diese Woche noch einmal zusammenfinden? Ich schlage vor bei mir, zu jeder Ihnen beliebigen Stunde.

Was meine sterblichen Geschäfte betrifft, erlaube ich mir bei Ihnen anzufragen, ob mein elendes Saldo es erlaubt Sie zu bitten an Wilhelmj in Wiesbaden die beifolgende Rechnung für mich auszuzahlen, – was mir allerdings erwünscht wäre.

Was diese »sterblichen Angelegenheiten« weiter betrifft, vertröste ich mich auf nächste Ostern, welches die unangenehmen Eigenschaften des Neujahrs nicht haben wird. –

An Brassin werde ich übrigens telegraphiren, und hierbei ihn ersuchen, Sie zu bitten, wenn Sie ein ander Mal mir Briefe von ihm übergeben, dieß nur unter der Bedingung Ihnen zu erlauben, daß Sie dieselben sogleich von mir zurückfordern, da mein »Bureau« noch so schlecht bestellt sei. –

Nun segne Sie Gott! Er kann nichts Besseres für mich thun!

Ihr
herzlich ergebener 

Richard Wagner
Theaterdirektor. 

Bayreuth, 
2. Febr. 76. 

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