Liebster bester Freund!
Auf die Frage »wie’s uns geht« ließe sich Vieles antworten! Die Welt, und namentlich auch »Germania«, wird mir immer widerwärtiger!
Unsere Sorgen sind groß und schließlich muß ich den Vorsatz, die Aufführungen in diesem Jahr noch stattfinden zu lassen, für tollkühn ansehen. Wir sind mit den Patronatscheinen bis 490; bedürfen aber, den neuesten Berechnungen nach 1300, um auszukommen. Das ursprünglich projectirte Unternehmen ist also eigentlich vollkommen gescheitert. Nun gilt es dem Wagniß, zu sehen, was uns die Neugier schließlich noch herbeizieht. Selbst Feustel glaubt es darauf hin wagen zu können; nur sehen wir einem Fehlen des Geldes für Juni u.s.w. entgegen, wo die Musiker und Sänger ankommen und baares Geld beziehen wollen.
Ich suchte einen Vorschuß von 30000 Th. beim Kaiser nach. Was zu machen ist, will ich noch sehen, wenn ich Anfangs März nach Berlin komme, um andererseits dort wiederum zu sehen, wie es mit dem »Tristan« steht, an welchen ich ebenfalls noch nicht recht glaube. –
Im Uebrigen machen wir hier gute Miene. Alles wird fertig (auf Credit!); die künstlerischen Details der Ausführung werden in höchster Vollendung ausgearbeitet. Brandt, wie immer, ausgezeichnet, – meine Hauptstütze!
Von den Sängern ist mir, außer von Scaria, nichts widerwilliges aufgestoßen: Alles scheint mit festem Muthe bei der Sache zu bleiben. Für Scaria, werde ich helfen können, – wenn er selbst in letzter Stunde doch nicht noch umkehrt; ganz fertig ist es mit ihm noch nicht. Sonst wenig Neues.
Grüßen Sie Frau und Freunde schönstens von mir und uns!
Können Sie etwas hexen, so soll mir das lieb sein! Immer aber bleibe ich
Ihr
herzlichst ergebener
Richard Wagner.
Bayreuth,
4. Febr. 1876.
