Sehr gute Nacht, ohne Schwanken; mit den Mädchen den Vormittag unter Schwätzen zugebracht. Die Eine ist ein reizendes Kind! Gegen 11 Uhr sehen wir endlich die Küste von Portugal, zuerst in blauer Ferne, dann näher, mit seinen schroffen, rothbraunen Felsen ohne Bäume oder Häuser; gegen 11 Uhr passierten wir das Cap St. Vincent mit Leuchtturm und verfallenem Hause; jetzt entfernen wir uns wieder von der Küste, um abzukürzen. Morgen früh um 2 Uhr sollen wir in Gibraltar sein. Sonst geht nichts vor, ausser dass jedermann meine Sketches sehen will. –
Nach dem Diner versammelte sich alles auf dem Decke um zu tanzen; der Mond ging später auf, so dass es recht dunkel auf dem Deck war und man Lampen anzündete. Das englische Tanzen sieht wirklich recht hässlich aus; Gestampf und Gehops; der Walzer recht stumpfsinnig; ganz hübsch waren einige originale schottische Tänze „Schottische“ genant (soll von Maria Stuart bevorzugt worden sein), welche eine unsrer kleinen Hudson’s mit einem See-Officier tanzte.
Clement spielte meistens, ich auch dazwischen. Eine Engländerin redete mich an als gute Bayreutherin, begeistert von Tannhäuser, was mich gleich ganz gewann; man trifft doch überall einen guten Kern an, und die Juden-Presse ist, au fond, doch machtlos.
Ein Officier, welcher mit seiner wunderhübschen stattlichen jungen Frau nach Malta reiste, kam auf mich zu und sagte: „My wife wants so to see the sketch you made of her.“ – Leider hatte ich keine gemacht, dafür unterhielt ich mich recht gut mit ihm; natürlich kamen wir auch auf unseren Kaiser zu sprechen: „he is a most energetic man“, so lautet das Urtheil aller Engländer; sie mögen ihn gern, alle; über unsre Flotte, der Qualität nach, sprach der junge Mann sehr rühmend. –
Erst spät gingen wir zu Bett, packten unsre Sachen zusammen und legten uns nieder. Es war etwas schwül; wir schliefen bald ein.
