Mittwoch, 24. Februar (24. Februar 1892)

Siegfried Wagner Reisetagebuch

Recht gut geschlafen; träume beständig von zuhause. Das Wetter ist gut, obwohl wieder etwas windig, was einem nicht gerade immer-während angenehm ist. Um 9 Uhr Frühstück, wie gewöhnlich. Danach ordnete ich radical in unsrer Kabine; wir haben nicht viel Platz, so dass der Raum sehr ausgenutzt sein will. Das Auspacken ist wirklich etwas Abscheuliches, und wenn so Alles um einen liegt, meint man, nie wieder Ordnung machen zu können. 
Dann setzte ich mich zu Clement aufs Deck und schnatzte mit ihm den Nougat von Gibraltar; er liest ein Buch über den Malaiischen Archipelagus, ich fahre fort in Gobineau, bis zum Luncheon: Suppe, Kalb, etc.; wir trinken gar keinen Wein, was sehr gut bekommt; bei Tisch geht’s immer gleich eintönig zu; ich schweife in weiteste Fernen, meistens mach Bayreuth. Nach dem Luncheon sah ich mir die grosse Landkarte an.
Wir fahren heute beständig der Küste entlang, sind Abends 7 Uhr am Cap Bukeroni; morgen früh fahren wir nah an der Insel Galita vorbei. (Ich vergass, dass wir vormittags die Maschinen besahen; die Gluth da unten ist unerträglich.)
Sodann fuhr ich fort in Eugen Aram; um 4 Uhr ging ich in die Cabine, um meine Skizzen zu malen; Clement kommt nach. Um 6 Uhr Abendessen: Zunge, Sardinen, Thee, Confitüre.  Es ist ganz hübsch warm draussen; das Meer immer freundlich. Der Abendstern wunderbar; die Wellen phosphoriscierend; zwei tollpatschige junge Hunde bellen mich in meiner Kapa an, in der ich mich als Holländer Thue. – 
Von den Schiffsleuten sehe ich wenig; ausser einem alten Original, mit unglaublichem Gesicht und Anzug aus einem Stück, furchtbar derb. Cl. spielt jetzt Halma mit dem Capitain; ich schreibe und lese. Dann gemeinsames Kartenspiel, „Nap“, wo wir alle so ziemlich gleich spielen. Um 10 Uhr zu Bette. Das Meer ist etwas lebendiger.

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