will ich das Theater besuchen und dann morgen Euch Bericht erstatten. Gehört habe ich schon von einem Bauführer Runkwitz, daß es im Auditorium noch schlimm aussieht, und daß die Nächte zu Hilfe genommen werden, um am 1. Juni nicht störend für die Proben zu sein. Wagner äußerte unter anderm: „ich gehe nicht mehr hinaus, wenn ich hinauskomme, muß ich mich ärgern.
Abends um 8 Uhr stellten wir uns bei Wagner ein, Unger, die genannten Musiker, Josef Rubinstein, ein Herr Pringsheim aus Berlin und Fräulein Scheffski aus München. Der Empfang war ein herzlicher. Wagner reichte mir beide Hände entgegen und schien nicht Worte zu finden für das was er mir nun alles aufpacken wollte. Wiederholung der Briefstellen: „Sie müssen mir Alles sein, Sie müssen mir helfen, und Sie sind der Tausendsappermenter, der das auch Alles kann.“ Die Sängerin nahm zunächst sein ganzes Interesse ein.
Frau Vogl, welche die Sieglinde bereits studiert hatte, ist verhindert und für sie springt Fräulein Scheffski ein. Es ist sehr schwer, Wagner, wenn er spricht, zu folgen, zu verstehen und es bedarf wieder einiger Tage meinerseits, mich hinein zu finden. Er spricht ungefähr so, wie einer, der für sich und mit sich spricht. Dann braust er wieder derartig heraus, daß man sich den Zusammenhang nur annähernd zusammenreimen kann. Er lacht auf, ist gereizt, um schnell wieder mit Sarkasmus, das, was ihn ärgert, lachend zu geißeln. Die kleinen Kämpfe und Intrigen des Münchner Hoftheaters, mit welchen die jungen Sängerinnen zu kämpfen haben und infolgedessen ihren Urlaub bezweifeln, kann und will ich nicht weiter beschreiben. Wagner, welcher diese Verhältnisse Münchens genau kennt, geißelte sie mit scharfer Zunge. Fräulein Scheffski sang auswendig, von Professor Hey in München zurecht gemacht, prachtvoll, so daß Wagner außer sich geriet; mit Unger sang sie vom Blatt das Duett Siegfrieds mit Brunhilde.
Was aus Unger geworden, ist geradezu erstaunlich, ein Sänger, der 6000 Taler jetzt wert ist. Frau Cosima lag krank und wir gingen um 10½ Uhr zu Angermann, ein Bierhaus, das schon im vorigen Jahr, seines guten Bieres wegen, von allen Nibelungen stark besucht wurde. Hier fand ich meinen Freund, den Staatsanwalt Heumann, von dem Ihr aus seinen Briefen wißt, welch eine Perle von einem Menschen er ist.
