Das Bayreuther Jahr! Es ist ist das Wichtigste in meiner künstlerischen Entwicklung und hat mir für alle Zeiten den Stempel aufgedrückt. Ich hatte das Glück, 3 Monate lang mit Richard Wagner 1n persönlichem Verkehr stehen zu dürfen und von ihm zu lernen, was ein begeisterter Schüler von dem grössten Meister lernen kann. Alles was ich kann, verdanke ich dieser Bayreuther Lehrzeit. Ich beginne auch von hier an die Kunst als Hauptangelegenheit meines Lebens au betrachten. Meine starken sinnlichen Anlagen erleben freilich keine Veränderung. Aber am Ende sind sie in unmittelbarem Zusammenhang mit jeder künstlerischen Tätigkeit!
Richard Wagner hat am 2. März im Opernhaus den „Lohengrin“ persönlich dirigiert. Richter und Sucher hatten Angst, dass, nachdem der Meister so lange Zeit nicht mehr Theateraufführungen dirigiert hatte, etwas passieren könnte und pflanzten sich rechts und links im Orchester auf, um bei vorkommenden Schwankungen helfen zu können. Sie geben aber bald ihre Besorgnisse auf, nachdem sie sehen, wie er – abgesehen von der wunderbaren suggestiven Kraft seiner Persönlichkeit – auch technisch mit der grössten Vollkommenheit das Ganze leitete. Es war ein wunderbarer Abend!
Müller: Lohengrin. Kupfer-Berger: Elsa. Scaria: König. Nollet: Telramund. Materna: Ortrud. Chöre, Orchester prachtvoll! Vorspiel: Sehr, sehr langsam und unendlich breit! Vorspiel in As-moll zu „Du trugest ihm meine Klage“ sehr breit und ausdrucksvoll. Schwanenchor Trompeten pianissimo beginnen. Zeitmass ruhig anfangen, dann sehr steigern! Am Schluss (A dur) sehr feurig und belebt. Keine Portamenti der Sänger! Alles streng 1m Takt! Kein Recitativ „Viel lieber tod als feig“ nicht schnell, Orchester in fp. dämpfen; Umzug der Ritter zum Bilden des Kampfringes ziemlich belebt! Heerufer alles im Tempo! Gebet Es-dur, nicht zu langsam. Kampf, sehr schnell! Schluss I. Akt nicht schnell zu Beginn, dem erst nach und nach steigern. Vorspiel II Act. Englisch Horn (kurze Notation) Einmal mf, das zweite Mal fast unhörbar leise! Nach „Gott „(Ortrud) erschreckend lange Pause! Ebenso vor „Du wilde Seherin“. Bass Klarinette für F1s-m0ll Motto sehr langsam. Dann Dialog fliessend. „In Liebe“ B-dur lang, dann as-cis (Hob.Nr.+) anschliessen. Hoboen „in s fernste Elend schickt“ sehr starkes crescendo. Die Figur (Notation) sehr ruhig!
Anruf an die Götter sehr rasch, heftig und ohne Pausen vor Einsatz der Triolen. (D) „Nur eine Kraft“ recht langsam. Zwischenspiel schnell (Notation). Chöre pianissimo sehr wichtig! „Von ihm wird Keine“ die Viertel langsam markiert aber ohne riterdando. III. act. Vorspiel. Nicht schnell aber feurig! Beim Hochzeitschor „Rauschen des Festes, seid nun entronnen“ starkes Zurückhalten es Tempo –
