Ein heißer Tag – ! Der Kaiser mit Gefolge, der Großherzog von Weimar, der Herzog und der Erbprinz von Anhalt besuchten gestern vormittag das Theater.
Der alte Kaiser legte Balsam auf Brandts Mißgeschick wegen der im Rheingold bei den Verwandlungen vorgekommenen Fehler, die Brandt so aufgeregt hatten, daß er außer sich war, seine Kommandos so laut schrie, daß man sie im Zuschauerraum gehört hatte. (Wo bleibt da die Illusion!) Er war nun ganz glücklich, er sagte: „Der Kaiser hat mich in seiner bekannten Liebenswürdigkeit wieder aufgerichtet.
Die gestrige Aufführung der Walküre ging. ziemlich gut, Niemann nicht recht bei Stimme. Die Ensemblesätze der Walküren (8 an der Zahl) wurden stürmisch applaudiert. Hervorrufe waren durch öffentlichen Anschlag von Wagner verboten. Die Vorstellung dauerte von 4 Uhr 25 Min. bis 9 Uhr- 50 Min. Nach dem ersten Akt sprach ich unsern Intendanten von Normann. Einzelnes vom „Rheingold“ hatte ihm in München besser gefallen, manches wieder hier. Er ärgerte sich über die Urteile, welche er nun schon in der kurzen Zeit hätte anhören müssen. Er nannte es entsetzlich und meinte, so etwas sei im großen ganzen an keinem Theater der Jetztzeit so vollkommen aufzuführen.
Nach dem zweiten Akte ging ich abermals hinaus, um frische Luft zu schöpfen. Ich sprach mit unserm Herzog und dem Erbprinzen über die Rheingold-Aufführung. Er war sehr freundlich und liebevoll. Ich mußte ihm manches erzählen. Nach der Vorstellung speiste ich mit Scholz; ich wurde dem Dichter Bodenstedt vorgestellt. Mit Adolf Menzel, einem Freund Wagners, saß ich zusammen, ohne zu wissen, daß es der große Meister sei. Ich hatte ihn mir ganz anders vorgestellt, er ist fast einen Kopf kleiner als ich. Scholz, den ich später über ihn befragte, wunderte sich: „Ich glaubte, Du kennst ihn, ich hätte ihn Dir ja vorstellen können!
Der Zufall wollte, daß in dem Augenblick, als Scholz mit mir sprach, Wagner dazu kam. Scholz frug mich etwas und Wagner hörte, daß Scholz mich duzt:, Nein, dieser Fricke! Er ist mit aller Welt bekannt.
Der Kaiser soupierte im Theater und fuhr gleich zur Bahn, um 11 ½ Uhr weiter zu reisen. Nach dem ersten Akt ließ er Wagner zu sich rufen.
