Mittwoch 9ten (9. Februar 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

Kein Diktat heute, R. macht sich an die Komposition für die Amerikaner [1] (Eröffnung der Weltausstellung, 100jährige Feier der Befreiung); er hat 5000 Dollars gefordert, ob sie ihm von den Bestellenden bewilligt? Wie ich zu Tisch komme, spielt er ein sanftes wiegendes Thema, für den amerikanischen Pomp fiele ihm nichts ein. Schlittenfahrt, wenig guter Erfolg davon; abends Beethoven’sche Trios, D dur und B dur [2], großer Eindruck namentlich des letzteren, Bedauern, daß Beethoven das Adagio nicht abschließt, sondern, wie R. sagt, wie mit Peitschenhieb in das Finale übergeht. – Ein Herr Ritter [3] aus Heidelberg bringt eine neue Art Bratsche, welche Richard vortrefflich findet und in sein Orchester einführen will. Am Schlusse solcher Abendvergnügungen ist aber R. immer müde.


[1] Großer Festmarsch zur Hundertjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit. 
[2] Klaviertrio op. 70 Nr. 1 und op. 97. 
[3] Hermann Ritter (1849-1926), Musiker in Heidelberg, erfand die Viola alta, er wirkte im Festspielorchester mit; vgl. auch 19. April und Anm. dazu. 


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