Montag 7ten (7. Februar 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

R. wacht mit einem großen Pfiff auf; er träumte von einer Festaufführung hier, aber vom Holländer und Tannhäuser, und die er dirigierte vom Klavier aus in einem Nebenzimmer mit Hülfe eines Spiegels; Schröder-Devrient und einige, welche lieber um ihn als in der Aufführung selbst waren, umgaben ihn, wie er vor Kränzen und Blumen das Klavier nicht öffnen konnte; plötzlich vernimmt er seltsame Töne, er rennt hinein und sieht »Die Meereswellen«, ein im Holländer eingelegtes Ballett von Servais, sagen ihm seine Sänger, »und das habt ihr euch gefallen lassen«, ruft er aus, rennt noch einmal hinein und pfeift mächtig! … 

Depesche aus Madrid 1 [1], daß Rienzi dort mit großem Erfolg aufgeführt worden. – Der Herr Hoffmann reist mit Walküre und Götterdämmerung herum und ist daran nicht zu verhindern! … Ein Gerichtsvollstrecker läßt sich melden, und wir zerbrechen uns den Kopf über sein Vorhaben, alles Mögliche und Unmögliche fällt R. in den Sinn, nun kommt zu unserer Erheiterung heraus, daß eine Frau aus Wien Beschlag auf die Einnahme von Scaria hier legt; er sei ihr 25800 Thaler schuldig und von ihr verpfändet. Wir freuen uns wenigstens, eine Erklärung für Scaria’s unglaubliches Benehmen zu haben! – »Don Quixote« abends.


Fußnoten
1 Beigelegt, s. Anm.

[1] Depeche aus Madrid: aufgegeben 6.2.1876, expediert 7.2.1876, Text französisch, Übersetzung „Gestern erste Aufführung Rienzi im Königlichen Theater mit großem Aufwand und Glanz, Inszenierung großer Erfolg für Oper und Künstler, vor allem für Tamberlick und Madame Pouzzoni. Ich beglückwünsche den großen Meister. Theodore Robles, Direktor.“



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