Donnerstag 6ten (6. Januar 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

R. träumte, daß er die 9te Symphonie zu dirigieren habe, in Dresden oder München, vorher sehr hungrig durch eine Eisenbahnrestauration gegangen, wo Frankfurter Würste, sich welche dort bestellt; gekommen, sie zu holen, sieht er zwei Männer seine Portion essen, und die Person des Buffets maliziös impertinent, auch die Wirtin, nicht nur die Würste, sondern auch Bier ihm verweigernd; er ist heftig, dann gibt er gute Worte, alles vergebens. Endlich verläßt er fluchend das Lokal, kommt zum Saal, durch das Orchester, wird mit Applaus empfangen, hat aber zu klettern, verläßt sich auf seine Behendigkeit, kommt aber an eine Stelle, die zu tief ist; wo er nicht springen kann, erwacht! … Er sagt: Es brauchen bloß die Gehirnkräfte durch schlimme Erfahrungen an der Tätigkeit, für welche sie bestimmt sind, verhindert zu sein, um daß alle Dämonen sich ihrer bemächtigen und nichts als scheußliche Bilder hervorbringen! … 

Entschlüsse betreffs meiner Daniella; ich behalte Blandine im Haus. Wir beginnen den »Pilger« von Lope [1], finden aber kein Vergnügen daran und lesen eine Novelle von Boccaccio. – 

Bon Seydlitz meldet, daß er bei Bonin Schl. war, dieselbe, anstatt niedergeschlagen, freudig hoffnungsvoll gefunden, dieselbe hätte mir wohl schon telegraphiert; kein Telegramm kommt! – – – Herr O. Wesendonck meldet, daß er den Vorschuß nicht leisten könne.


[1] »Der Pilger in seinem Vaterland« von Lope de Vega. 


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