Donnerstag 4ten (4. Mai 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

Mimi schreibt, daß Herr von Bronsart ein Konzert für Bayreuth arrangiert, darin mein Vater das Es dur Konzert [1] spielen will. Herr v. Bronsart scheint jetzt Mut zu haben, seine alten Überzeugungen auszusprechen, da Herr v. Hülsen gut gestimmt ist. Erbärmliche Menschen. – Abends in Goethe und Wolf weiter gelesen, wobei immer von Pr. Bernays befriedigt. Viel über das Suchen Goethe’s gesprochen; auch [über] unsere traurige Zeit. – 

Heft vom Kriegswerk erhalten, gleich der erste Satz prachtvoll, Taciteische Einfachheit; ohne Affektation der römischen Kürze. R. liebt und verehrt nur noch die Armee. – Abends sagt er mir, er habe nur Freude an mir, ich sei das einzige, was er habe; und gar wundersam berührte es mich neulich, daß, wie ich nachts meinen traurigen Gedanken nachhing, er träumte, ich sei in München in einem Kaufmannsgeschäft, er käme hin, mich zu holen, ich blieb bei meiner Arbeit, sagend: »Es muß so sein, die Kinder sind fort von mir« – sehr wehmütig.


[1] nicht das Lisztsche Klavierkonzert Nr. 1 in Es-dur, 1849, sondern das Beethovensche Nr. 5, op. 73, das Liszt am 10. März 1875 im Konzert mit RW in Pest spielte.


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