Dienstag 4 (4. Januar 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

In Sorgen ruhen wir und wachen wir auf; neulich machte R. das Soll und Haben dieses Jahres, wie vieles des Schlimmen, wie wenig des Guten, Fürstner, Voltz, Batz, die Presse nach den Proben, Richter, die Erfahrungen in Wien, Scaria, nun K. König [1]

Wie ein Damoklesschwert (eine erneuerte Schnorr’sche Erfahrung [2] !) hängt die Drohung dieser Böswilligen vor mir; sie komme nur mit dem letzten Skribenten zusammen, und dieser macht sich eine Freude daraus, Schmutz aufzuwühlen gegen uns; man scheint anzunehmen, daß ich R. von Wert bin und nützlich, und wahrscheinlich deshalb zerren sie mich in alles herein! Wie leicht würde ich für meine Person alles hinnehmen, wenn ich nicht die Empfindung hätte, daß alles nur der Sache gilt. 

Am Nachmittag kommt Herr Feustel, mit mir [zu] sprechen, er ist üblen Mutes; der Vorschuß von der Kabinettskasse kommt nicht an, er konnte Herrn Brandt nicht bezahlen! Ein Brief von Frau v. Schl. läßt mich erkennen, daß R.’s Brief an den Fürsten ohne jeden Eindruck geblieben ist. Sie und Bucher denken an den Reichstag! Ach! Da herrscht Herr Lasker … 

Abends in »Wie es euch gefällt«, nachdem ich alles Schlimme mit R. durchgesprochen; die schlimmste Stimmung weicht vor dem göttlichsten Humor.


[1] Käthchen König. 

 [2] Nach dem Tode des Sängers Ludwig Schnorr von Carolsfeld stiftete die Zudringlichkeit seiner Witwe Malwine, die sich einbildete, RW müsse sie heiraten, und die daraufhin RW 1865 mit Eifersuchtsintrigen zusetzte, Verwirrung und Ärger. 

DOKUMENT(E)

➝ Eigenhändige Quittung von Ruederer & Co. für Zahlung der Königlich Bayerischen Kabinettskasse (Nationalarchiv der Richard Wagner Stiftung).


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