Dienstag 30ten (30. Mai 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

Probe; Richter ist da, speist mit seiner Frau bei uns; die Probe, wo R. alles vormacht, hat ihn sehr angegriffen, die Freude an Unger aber bleibt. Nach Tisch überlegt sich R., ob er nicht den Wotan im Rheingold, wie er Walhall begrüßt (»so nenne ich die Burg«), ein Schwert aufraffen läßt, welches Fafner, weil es nicht von Gold, verächtlich vom Hort weggeschoben. Es wird das Schwert, welches Wotan in die Esche einstößt; Alberich hat es schmieden lassen zum Kampf gegen Riesen und Götter. –

Richter erzählt, daß Herr Jauner nicht begriff, daß R. die Walküre so ungern bewilligt, andere Komponisten seien froh, wenn man ihre Werke aufführe! … Abends kommt R. sehr ermüdet von der Schwimmprobe zurück. (Der Sultan Abdul Assis abgesetzt und erdrosselt – seltsamer Erfolg der Konferenz zwischen Andrássy, Gortschakow und Bismarck! [1])


[1] Julius (oder Gyula) Graf Andrássy der Ältere (1823-1890), österreich.-ungar. Staatsmann, durchkreuzte Beusts antipreuß. Politik, wurde 1871 an dessen Stelle Minister des Auswärtigen; Fürst Alexander Mihajlowitsch Gortschakow (1798-1883), russ. Staatsmann und Diplomat, seit 1862 Kanzler, , unterstützte die Bismarcksche Politik bis 1878, als es beim Berliner Kongreß zur Abgrenzung der Interessensphären kam; vgl. russ.-türk. Krieg, Anm. zu 25. April und zu Disraeli 28. Dezember 1877; Andrássy hatte mit Bismarck und Gortschakow 1872 das Dreikaiserbündnis zustandegebracht und bahnte jetzt, 1876, das gute Einvernehmen mit Rußland bei der Kaiserzusammenkunft 1876 in Reichstadt an, er nahm 1879 seinen Abschied.


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