R. träumt schon seit mehreren Tagen von hübschen Landschaften, in welchen er wandelt, diesesmal mit Rus, welcher voller weißen Staub in den Augen etwas Gespenstisches hatte; ich höre wachend die Kuhglocken von Tribschen, sie läuten mir förmlich in die Ohren und gemahnen mich schöner Zeiten! Gott, wie soll R. denn wieder zur Hauptsache, zum Schaffen kommen! …
Wir lesen gestern einen gutgemeinten Bericht aus Wien, worin es heißt, daß man R. wohl gönnen könne 4000 Gulden nebst Aufenthaltskosten, also immer Unwahrheiten; wenn man bedenkt, daß R. stets seinen Besitz bei allem zusetzt, noch diese Schmach; dann heißt es weiter, es seien beleidigende Karikaturen auf ihn und auf mich gemacht worden – – »es ist bös von den Leuten!« Welche Veranlassung ich den Leuten zu solchem Vorgehen gegen mich gegeben, bleibt mir ein Rätsel. R. meint, sie wollten bloß dadurch erreichen, daß er nicht mehr nach Wien käme! …
Wir lesen den Bericht über einen Besuch bei Beethoven vom alten Wieck [1] und einen Brief von Czerny [2] über die erste Aufführung der 9ten Symphonie; sehr ergreifend, wie alles, was man über ein Genie erfährt; »edel klagend« seine Sprache! – Beim Abendtisch R.: »Nur wenn alles bricht und kracht, geht Richard Wagner einst befrackt.« – Er geht mit Fidi aus, wie die Glocken läuten, sagt der Kleine: »Jetzt hören wir, was wir vorhin gesehen«, sie waren an dem Turm vorbei gegangen. Abends lesen wir den »Kaufmann von Venedig«.
[1] Friedrich Wieck (1785-1873), dt. Klavier- und Gesangspädagoge, mit RW befreundet; seine Tochter Clara (1819-1896) heiratete 1840 Robert Schumann.
[2] Carl Czerny (1791-1857), österreich. Musikpädagoge, Pianist und Komponist.
