Es scheinen die Kriegsgerüchte auf das Bedürfnis einer Baisse seitens der Besitzer des Tagblattes (Wien) zurückzuführen zu sein – Herr Jauner schweigt. R. hat die dritte Probe mit Herrn Unger und ist mit ihm zufrieden.
Nachmittags Spaziergang mit R. Abends liest er mir einen Bericht aus Amerika, worin es heißt: Hans habe mit unerhörter Meisterschaft gespielt, jedoch sich durch sein persönliches Auftreten das Publikum befeindet, so daß der Besuch mäßig war. In Tränen und Kummer brachte ich diesen Abend und den ersten Teil der Nacht zu; mit Flehen zu Gott! –
Wir bringen auch unseren herrlichen Don Quixote zu Grabe und nehmen von ihm Abschied! Ein solches Werk ist nicht zu analysieren, wie eine Tragödie mitzuerleben! –
Herr Fiege meldet per Postkarte den großen Erfolg der 6ten [Aufführung] von Tristan; kein Werk von R. habe in Berlin so gefallen – was ich darauf zurückführe, daß er die Aufführung doch beaufsichtigt.
Komischer Brief von Herrn Krolop [1], wenn nur die Sieglinde drei Monate vorher zuerteilt worden wäre! … – – – Vom Abgrund aus schreie ich zu dir, mein Gott! Es erwidert mir die traurige Weise, und das ganze Leben glänzt öde mir entgegen, wie das Meer dem armen Tristan. – – –
Sehr interessieren und beschäftigen uns die Skizzen von Beethoven; sehr merkwürdig, wie er das innen Gehörte gesucht hat, es endlich mühselig wiedergefunden. Was leitet ihn da? Kein Bewußtsein, ein Instinkt.
[1] Franz Krolop (1839-1897), Sänger, seit 1873 an der Hofoper Berlin.
