In der Frühe ausgegangen nach 9 Uhr, und um halb vier erst heimgekehrt, das Museum, die Universität, Kirchen und Paläste besucht. Viele Freude an den Francia [1]; im Museum gerechter gegen Domenichino [2] und Carracci [3] ohne Verehrung. Eine Madonna di Cima wunderschön. Wenn Malerei zu bewegt wird, erscheint die Phantasie, das Wort, die Bedingung jeder Kunst, die Schranke ist überschritten, man will diese Gequälten auch schreien hören. So in der Musik, die Dramatik ist für die Bühne; das große Genie wie Tizian geht bis zu den äußersten Schranken, seine Gestalten aber dürfen noch schweigen. Neunte Symphonie Beweis des Bedürfnisses nach dem Wort. – Man kann die vorangehenden Maler mit großer Freude betrachten, die den größten Künstlern nachfolgenden nicht mehr, die äußerste Schranke war mit den Größten erreicht, und das bedeutendste Talent (Domenichino, Carracci) ist wie gezwungen, sie zu überschreiten. –
Nachts um 2 Uhr abgereist, andren Tags um 10 Uhr abends in Neapel, Hôtel Vittoria; die Kinder bewähren in dieser langen, bei größter Hitze sehr ermüdenden Fahrt ihre Gutartigkeit, Siegfried besonders ist unermüdlich heiter und gut.
[1] Francesco Francia (um 1460-1517), eigentlich Raibolini, italien. Maler und Goldschmied in Bologna, schuf Gemälde mit religiösen Themen.
[2] Domenichino: (1581-1641), eigentlich Domenico Zampieri, italien. Maler, Architekt des Vatikans, von Annibale Carracci angeregt, wirkte lange Zeit in Neapel.
[3] Agostino Carracci (1557-1602), der bedeutendere Annibale C. (1560-1609) und der meist in Bologna wirkende Vetter von beiden, Lodovico C. (1555-1619), italien. Maler, gründeten in Bologna die Accademia dei Desiderosi.
