Mittwoch 24ten (24. März 1876) bis Montag 29ten

Cosima Wagner Tagebücher

Mit R. einen dieser Tage hinaufgefahren, das Gerüst ist abgenommen, erhabener Eindruck vom Zuschauerraum wie von der Bühne, gleich traumhaft; es stimmt wehmütig erhaben! Wie wenig wirkliche Teilnahme begleitete den Geist, welcher hier sich kund gibt, wie losgelöst ist er – Sonnenuntergang-artig strahlt mir dieser Bau entgegen; keine Morgenröte! Viel, viel an Hans gedacht! Heute, Montag, hatte R. Freude an Herrn Unger, welcher wieder ein Mal probierte, nachdem er lange Zeit angegriffen gewesen. Herr Schlosser auch da, macht hohe Forderungen. Ich schreibe die Couverts der Ehrenpatrone. Abends Herr Brassin [1], der Violinspieler aus Breslau – schon manche sind da, und man könnte sich der bevorstehenden Arbeit freuen, wenn nicht die Sorge einen drückte und eine Erfahrung, über welche zu schweigen wir uns zur Pflicht machen.


[1] Gerhard Brassin (born 1844), conductor of the Tonkünstlerverein in Breslau from 1875 to 1880, brother of Louis Brassin, see note on 29 August 1871.


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