Dienstag 20ten (20. Juni 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

R. geht es nicht schlimmer, doch immer nicht gut, er fährt mit mir in die Orchesterprobe und hat hier auch alles zu sagen! Nachmittag zweite Probe des dritten Akts (Walküre). Gestern war die erste, zur Erschütterung aller Mitwirkenden und Zuschauenden. Wie R. Frl. Scheffsky die Gebärde vormachte, mit welcher sie von starrer Verzweifelung zu freudigem Schreck und entzücktem Jauchzen übergeht, rannten uns allen die Tränen von den Augen. Sehr hübsch sagte mir Pr. Doepler, daß sie jeden Abend in Wagner schwärmten, die Künstler alle, und die armen Patrone bedauerten, welche nur einigen Vorstellungen beiwohnen würden und eigentlich gar nichts von der Sache wissen. Wir wollen die 300 Thaler bezahlen, meint er, wir genießen diese Zeit. Die Gruppierung der Walküren herrlich. Wie ein Walküren-Nest sieht der Felsen aus. Pr. D. sagt, er wisse, R. würde sehr alt, und zwar bloß, weil er sich es vorgenommen habe! – R. aber doch sehr müde am Schluß solcher Proben. – Heute Geschäftsbriefe für ihn: an Dr. Simson in Berlin (Fürstner), dann an Herrn Voltz wegen Herrn Batz, der in seiner Unverschämtheit nicht nachläßt. Es ist mir fürchterlich zu denken, daß Fidi mit diesem Menschen nach unserem Tode noch wird zu schaffen haben.

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