Um halb zehn auf die Wanderung mich mit den Kindern begeben, um 6 Uhr zurück. Zuerst das Museum, ein tief ergreifender Heiland am Kreuz von Jacopo Bellini [1], ein Portrait von Masaccio [2] und eine h. Familie von G. Bellini [3]. Dann Campo Santo ohne Interesse, dann San Fermo mit Entzücken wieder gesehen, dann Frühstück mit den Kindern Piazza dei Signori. Dann bei R. angefragt, erfahre, daß Gräfin Pianell [4], Frau des Kommandanten, bei uns vorgefahren und uns zum Abend haben will; mache Besuch, uns zu entschuldigen. Darauf S. Bernardino, wenig Freude an San Michele’s Kapelle, überhaupt an römischer nachgemachter Renaissance. San Zeno noch ein Mal, Sonntags- Schule, Kinder schreien wie Besessene. Der Dom, San Giorgio auch noch einmal und Palazzo Maffei die Treppe hinan. Die Kinder munter und wohlgemut. R. leider unwohl. Bleibe abends bei ihm.
[1] Jacopo Bellini (1400-1470), venezian. Maler, unter den Hauptwerken eine »Kreuzigung« in Verona.
[2] Masaccio: für Tommaso di Giovanni di Simone Guidi (1401-1428), italien. Maler, Fresken in Florenz, monumentaler Stil, der die Renaissance mitbegründete.
[3] Giovanni Bellini (1430-1516), Sohn von Jacopo Bellini, leitete die Hochblütezeit der klassischen venezian. Malerei ein.
[4] Gräfin Pianell: möglicherweise verschrieben, für Pinelli? Dichter und Musiker, im Briefvereichnis eine Ada Pinelli.
