Besuch von Pr. Bernays[1] aus München, dem größten jetzt lebenden Kenner Goethe’s; sehr angenehme Bekanntschaft. Nachmittags ein wenig erschreckend [überraschend]1 Dr. Schönaich [2]; wir nehmen ihn im Hause auf. Wie ich im Zimmer allein bin, drängt es mich zum Klavier, und leicht ergießt sich meine Stimmung in Tönen. Die Sonnenstrahlen grüßen mich scheidend, ich entbiete Gedanken der Ferne, welche die Ferne nicht empfangen wird! Weinend begrüße ich R. heimkehrend. Abends Pr. Bernays – viele »geistvolle« Gespräche.
Fußnoten
1 [] Nachträglich eingefügt.
[1] Michael Bernays (1834-1897), Literaturhistoriker, 1873-90 Prof. in München; Bruder des klass. Philologen Jakob Bernays (1824-1881) in Bonn. Die Tochter seines Bruders Berman wird 1886 Siegmund Freud heiraten.
[2] Gustav Schönaich (1840-1906), Dr. phil., Journalist und Schriftsteller, Stiefsohn des Arztes Dr. Standhartner in Wien.
