Freitag 12ten (12. Mai 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

Depesche aus Amerika 1 [1], daß der Marsch großen Erfolg gehabt. Ankunft einzelner Delegierter, Herr von Baligand, Lesimple. Ersterer erklärt, wie es kam, daß, während die Opern R.’s immer volle Häuser machen, die Aufführungen zu Gunsten Bayreuths nur 300 Th. eingebracht. Nachdem der König auf das Ersuchen des Herrn B. die Aufführung befohlen, sei lange nichts erfolgt, gemahnt, meldet wegen Krankheit einer Sängerin am Tag der Aufführung die Intendanz »Lalla Rookh« [2] (das unbesuchteste aller alten Repertoirestücke) ab, schaltet Tannhäuser ein, schreibt in kl. Lettern auf den unteren Zettel »zum Ankauf von Patronatsscheinen!« R. hat Sorge wegen Frl. Scheffsky, daß er eine Dummheit gemacht, sie zur Sieglinde zu wählen.


Fußnoten
1 Beigelegt, s. Anm.

[1] Depesche aus Amerika: New York o. D., expediert Bayreuth 12. 5. 1876, 8 Uhr: »Herald schreibt Marsch überlebt nächstes Centennial, riesiger Beifall, Steinway«, fehlerhaft übermittelt, hier berichtigt. 

[2] »Lalla Rookh«: Versepos von Thomas Moore (1779-1852), irischer Dichter; als »Lalla Rukh die Mongolische Prinzessin« von F. de la Motte Fouqué 1822 und von J. L. Witthaus 1823 ins Deutsche übersetzt und vielfach nachgeahmt; u. a. Vorlage für Robert Schumanns Oratorium »Das Paradies und die Peri«, 1843, und Anton Rubinsteins Oper »Feramors«, 1863, Text von J. Rodenberg; am häufigsten aufgeführt die Oper von Félicien David, 1862.


<p>Dieser Inhalt kann nicht kopiert werden. / This content cannot be copied.</p>