Sonnabend 1ten (1. Januar 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

In die Kirche gegangen! Darauf Besuche empfangen. R. erfährt, daß sie in den Zeitungen sagten, Herr Scaria habe 2000 Gulden für den ganzen Aufenthalt in Bayreuth verlangt und sei vom Verwaltungsrat abschlägig zurückgewiesen worden! R. fordert durch Standhartner Berichtigung. – 

R. liest in der »Geschichte der Araber« und sagt: Je mehr er sehe, welche Nöte das Gebären eines Staates brächte, um so mehr überzeuge er sich, wie frevelhaft es sei, an dessen Organisation zu rütteln, und wie glücklich man sich schätzen müsse, Dynastien zu besitzen. Die staatenbildende Natur habe in ihrem Instinkt gewußt, was sie damit zu Stande gebracht. – R. istgedrückt; »immer schwerer«, sagt er, »wird die Gemeinheit, mit welcher man es zu tun hat; solche Erfahrungen, wie ich sie jetzt mache, tat ich doch nie!« Herr Groß hat ihm erzählt, daß, wie sie von hier aus in den Zeitungen den Lügen über den Verkauf unseres Hauses haben entgegen treten wollen, keiner die Notiz aufgenommen habe! … R. sehr deprimiert, unser Abend ist traurig! Ich räume die Briefe und Rechnungen und, als erste Ausgabe dieses Jahres, die Grabessteuer für meinen Bruder in Berlin.



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