Sonnabend 1ten bis 12ten (1. – 12. Juli 1876)

Cosima Wagner Tagebücher

Die ganze Götterdämmerung!!! Unger wieder wohl; dafür Not mit Hagen, Herr Kögel, nervös, reist ab, Verhandlungen mit Scaria, dessen Gemeinheit sich treu bleibt. Große Not in der Kasse, jeder Tag kostet 2000 Mark, es kommt wenig ein, Herr Feustel meldet, daß wir in 3 Wochen nichts mehr haben. Ich suche mein Kapital aus Paris herauszubekommen, ohne Erfolg! Endlich am 10ten die gute Nachricht, daß 6600 Mark eingegangen und die politische Lage ruhiger. Malwida Meysenbug angekommen und eine herrliche Schrift von Nietzsche: »R. Wagner in Bayreuth« [1]. – Einzig ergreifend, hinreißend die Götterdämmerung. Bestürzende Nachricht von dem plötzlichen Tod eines unsrer Orchestermitglieder! Ein Herr Richter aus Berlin! – – – Wilhelmj von einer Roheit der Menschen ganz in Anspruch genommen, das unsinnige Steuergesetz über Hunde bringt die gräßlichsten Scenen hervor; seine Teilnahme, von den Leuten erkannt, erweckt die Habgier; der Schinder tötet die Hunde nicht mehr, will ein Geschäft mit ihnen machen und ernährt sie mit dem Fleisch der toten Hunde, wovon sie erblinden! … Ganz wohlhabende Leute entledigen sich der treuen Tiere, um nicht die Steuer zu zahlen – grauenhaft. Wir bilden einen Verein zur Rettung der armen Wesen!

[1] »R. Wagner in Bayreuth«: »Unzeitgemäße Betrachtungen, Viertes Stück: Richard Wagner in Bayreuth«, bei E. Schmeitzner in Schloßchemnitz, 1876; Nietzsche an Gersdorff am 21. Juli: » Wagner schrieb: ›Freund! Ihr Buch ist ungeheuer! Wo haben Sie nur die Erfahrung von mir her?‹«

<p>Dieser Inhalt kann nicht kopiert werden. / This content cannot be copied.</p>