Heute Morgen erwartete mich Wagner schon an der Tür und war noch des Lobes voll. „Heute, beim Diner, sprechen wir noch weiter davon.“ Zu Hause fand ich einen Brief von Diedicke und schrieb sogleich an ihn. Er wird sich freuen, und ich freue mich auch, denn ich werde ihn zu den Hauptproben hier haben können. Um 12 Uhr nahm ich meine Turner noch einmal vor und sagte ihnen auch, daß der Meister sich sehr über ihre Leistungen gefreut hätte. —
4 Uhr. Soeben komme ich von Wagner nach Hause. Nach dem Essen saßen wir noch beim Mokka. Wagner sprach über die Kapellmeister im allgemeinen und einzelnen. Wir kamen auch auf Diedicke: „er soll nur kommen.“ „Meister, ich habe ihn zu den Hauptproben eingeladen. „Ach was, wenn er etwas hören will, dann soll er jetzt kommen; er ist gern gesehen.“
Beim Kaffee wurde durch die Ungeschicklichkeit des Dieners ein Herr eingeführt, den Wagner freundlichst empfing. Er wollte ihm einen Operntext unterbreiten und sich Rat holen, welche von Wagners Schülern wohl würdig wären, in seinem Sinne den Text zu komponieren. Wagner bat ihn freundlichst Platz zu nehmen und er verletzte das Dekorum bis zu diesem Augenblick nicht im geringsten. Als der Herr aber immer wieder von neuem das Verlangen an den Tag legte, er möchte seinen Text doch ansehen oder prüfen, riß Wagner die Geduld und ohne Umstände wurde er bedeutet: „Wenn es Ihnen nicht gefällt, auf meine Einladung, sich zu setzen, einzugehen“ hier wurde Wagner unverständlich — und der Herr welcher gewiß ein ganz gebildeter Mann war, zog sich mit stummer Verbeugung zurück. Es ist bedauerlich, daß der Herr nicht schon von dem Diener abgewiesen wurde. Die Folge davon kann sein, daß der Dichter des Operntextes, wer kann es wissen, Material für ein Zeitungsfeuilleton losläßt, das Wagner in schwärzesten Farben malt. —
Gestern, am Geburtstag des kleinen Siegfried, ist die Dessauer Stolle im Wagnerschen Hause verzehrt. Ich schickte sie dorthin, um Wagner an seine Jugendzeit in Leipzig zu erinnern. Hans Richter brachte um sieben Uhr morgens mit dreißig Musikern ein Ständchen.
