Um 10 ½ Uhr begab ich mich zu Wagner. Er empfing mich äußerst erregt, aber freudig bewegt. Wir gingen ins Eßzimmer, tranken ein Glas Wein. Er sah mich an, trommelte mit den fingern gegen seine Stirn. — Was ging dem Meister alles durch den Kopf? Er fand sich allmählich wieder. Ich mußte mit ihm zur Stadt fahren und nun erzählte er mir vom König. Heute morgen mit dem frühesten hatte er einen dank-sagenden Brief bekommen, er schilderte mir den König von der liebenswürdigsten Seite, so daß ich mit diesem Sonderling ganz ausgesöhnt bin. Mit fast kindlicher Verehrung hängt er an dem Meister.
Nach der Walkürenprobe auf der Eremitage angekommen, ging er mit seiner Begleitung in dem Park spazieren und hat gesungen. Dann befahl er, die Wasserwerke mit bengalischer Beleuchtung springen zu lassen. Am anderen Morgen empfing er die Spitzen der Behörden mit dem Bürgermeister und dankte persönlich für den Empfang. Nach dem 1. Akt der Walküre, in welcher Niemann die Scene in einer großartigen Weise beherrschte, kam Wagner auf die Bühne (aus der Loge des Königs) und war so ergriffen, daß ihm die Stimme versagte, unter Schluchzen hing er am Halse des Niemann. Uns allen traten die Tränen in die Augen. Bevor der 2. Akt begann, ging Wagner ins Orchester und dankte mit vor Tränen erstickter Stimme. Der König hatte ein volles Haus für die Walküre befohlen, es wurden Freibillets ausgeteilt. 1300 bis 1400 Menschen waren wohl im Theater, sie lauschten der Ansprache Wagners an die Musiker, und am Schluß hörte man den ersten sturmartigen Applaus.
Gestern wurde für Siegfried der freie Eintritt aufgehoben. Der Andrang zu den Billeten hatte einen furchtbaren Wirrwarr in Bayreuth hervorgerufen. Nun kostete das Billet 20 Mark. Mit den Freibilleten war ein grober Unfug getrieben, man hatte sie zu hohen Preisen verschachert.
