30. Mai. (30. Mai 1876)

Tagebuch von Richard Fricke

Probe mit Unger und Schlosser. Siegfried 1. Akt, die Scene nach Abgang des Wanderers, in welchem Siegfried den Nothung schmiedet. Hans Richter ist angekommen, wir begrüßten uns herzlich. Dr. Zimmermann hatte mir seine autographierten Korrespondenzen zugeschickt. Sie sind oberflächlich und nicht korrekt, manches unrichtig! — 5 Uhr ins Theater, trank Kaffee, studierte meinen Klavierauszug. Um 7 Uhr begann die Probe. Die erste Dekoration (im Rhein) war gestellt. Sie ist prachtvoll und originell. Die Maschinen leisten das möglichste, eine jede wird von drei Personen dirigiert. Die erste ist der dirigierende Musiker (Seidl — Woglinde, Fischer — Wellgunde, Mottl — Floßhilde), die zweite jemand, der die Maschine mit einer Art Steuerrad führt, die dritte Person sitzt auf der Maschine und läßt aus Kommando die Schwimmende steigen oder fallen. Wir kamen nach meiner Anordnung, der sich (auf die Note) anreihenden Bewegungen (2 Stunden ungefähr) bis zum Auftritt des Alberich. Als Rheintöchter figurierten drei leichte, nicht allzu große Turner. Jeder hatte im Schweiße seines Angesichts gearbeitet. Die Wiener Orchestermitglieder und Reichenberg (Fafner) sind angekommen, es fängt an, lebhaft zu werden.

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