28. Mai. (28. Mai 1876)

Tagebuch von Richard Fricke

Der Diener Wagners brachte mir die geliehene Violine mit zerbrochenem Saitenhalter. Sie war von einem kleinen Knaben im vollen Regenwetter, nach der Probe im Opernhause, in Wagners Villa gebracht worden und in der Nacht platzte die Geschichte wahrscheinlich auseinander. Um 10 Uhr zur Stunde, ich fand die Kinder spielend im Garten (der Morgen war schön), durchaus nicht vorbereitet zum Unterricht. Sie zeigten mir ihren Garten, in welchem jedes sein eigenes Blumen und Gemüsebeet hat, welches sie selbst bearbeiten müssen. 5 Uhr Nachmittag Scenenprobe, Siegfried 5. Akt letzte Scene, mit Unger und Mottl. Später zu Wagner, wo ich hörte, daß Frau Cosima plötzlich erkrankt sei, Gott verhüte es! Baumeister Brückwald aus Leipzig war angekommen, hauptsächlich um den Konflikt seines Bauführers Runkwitz mit Wagner auszugleichen. Ein Mann von reichen Erfahrungen, der das neue Leipziger Stadttheater mitgebaut hat und uns viel Interessantes erzählte.

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