23. (23. Mai 1876)

Tagebuch von Felix Mottl

Umzug aus dem Hotel in die „Nibelungenkanzlei“, wo Seidl, Riemenschneider und Zimmer wohnen. Seidl ist nicht sehr angenehm. Etwas von oben herab, als Erbgesessener! Fischer sehr gemütlich und nett. Anton Rubinstein[1], von Anfang an uns Allen widerwärtig. Korrektur der Nibelungen Stimmen in der „Kanzlei“ von Angermann. Maler Krause aus Weimer, der das Bild (Wanderer) auf den Giebel von Wahnfried gemalt hat, erzählt, dass er mit Wagner einen starken Streit über die Anlage des Bildes hatte, bei dem Wagner sehr heftig wurde und schließlich im Zorn davonlief. Einige Stunden nachher arbeitete Krause auf dem Gerüst. Da erscheint Wagner, sehr freundlich und gutmütig, reicht ihm eine Congnac-Flasche hinauf und sagt mit dem herzlichsten Tone: „Wollen wir wieder gut sein?“


[1] Gemeint ist Joseph Rubinstein.

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