Zum Theater; der junge Brandt teilte mir mit, daß es unmöglich sei, Dienstag mit den Schwimmproben zu beginnen. Ich sagte ihm: „Dann haben Sie die Güte, dem Meister selbst diese Hiobsbotschaft zu bringen. Dazu fehlt mir der Mut und ist auch meine Sache nicht.“ Ich blieb bis 12½ Uhr in den Theaterräumen und studierte die Schwimmaschinen. Welche Angst und Sorgen mich bei ihrem Anblick beschlichen, will ich verschweigen. Das Gerüst im Auditorium fängt an zu verschwinden, der Plafond ist fertig und man kann ihn zur Hälfte sehen. Fischers Bruder, kgl. Maschinenmeister bei der Staatsbahn, fand ich im sogenannten Maschinenhause, wo eine alte Lokomotive aufgestellt wurde, welche dem Theater den Wasserdampf zuführen soll; nachmittags sollte der erste Versuch gemacht werden. Wir besuchten dann noch die Restaurationsgebäude, worin heute nachmittag die Einweihung stattfinden wird.
Nachmittag holte mich Unger ab, bis 6 Uhr hatten sich ungefähr 40 Personen versammelt und zu Tische gesetzt, Freunde und Freundinnen der Wagnerschen Familie. Wagner, in rosigster Laune, brachte den ersten Toast auf die Unternehmer des Restaurationsgebäudes aus, Oberbürgermeister Muncker auf das Geburtstagskind, und ein Herr Assessor Braun auf Frau Cosima. Die Feier dauerte bis 8½ Uhr und war für alle ein schönes Fest. Die Gesellschaft bewegte sich in der ungezwungensten Weise, die Unterhaltung stockte keinen Augenblick, auch wurden die Köpfe vom Champagner etwas freier. Es wurde Licht gebracht, und zwar, da noch sämtliche Beleuchtungsgegenstände fehlten, mußten Champagnerflaschen als Leuchter dienen. Die Damen brachen auf, Frau Cosima mit den Kindern und Frau v. Staff-Reitzenstein waren schon früher nach Hause gegangen. Nun bildeten sich einzelne Gruppen. Mottl, der schon erwähnte junge Musikdirektor aus Wien, war eingetroffen. Ich kam sehr bald mit ihm in ein Gespräch, er erzählte mir viel von Wien. Er kennt Lorchen Paulis Vater im Wiener Opernhaus-Orchester, dessen Verehrung für Wagner so weit geht, daß er, wenn dessen Opern aufgeführt werden, stets im Frack im Orchester erscheint.
