10 Uhr dritte Lektion mit den Kindern. Nachmittag unternahm ich mit der Tochter eines Freundes einen Spaziergang nach dem Siegesturm. Ein angenehmer Weg führt an dem Wagner=Theater vorbei, wo auf einem Bergesrücken die Bayreuther ihren gefallenen Söhnen (1870) ein Denkmal gesetzt haben. 101 Stufen führen uns zu einer herrlichen Aussicht. Koburg, 7 Stunden entfernt, kann man mit meinem Glase deutlich sehen, ein herrliches Panorama! Auf dem Rückwege sprach ich im Theater an, der junge Brandt war angekommen.
Runkwitz, der Bauführer, war von Wagner gekränkt worden, er saß in seinem Zimmer, um dem Ver waltungsrat zu kündigen. Ich redete zum guten, machte ihm bemerklich, daß wir mit einem Manne, wie Wagner, anders zu rechten haben, als mit einem gewöhnlichen Menschen — ich hoffe, daß alles gut abläuft. Wir sahen uns die große, nun bald fertige Bierhalle an.
Um 9 Uhr gingen wir zu Schierbaum, wo gute Freunde eine Maibowle brauten. Dabei waren: Unger, Zimmer, Seidl, Fischer, Heumann, Professor Rieß und Riemen schneider. Es war eine heitere Mainacht, und ich ging mit einem Maiaffen um 1½ Uhr zu Bett.
