Wagner konnte heftiger Schmerzen halber die gestrige Probe doch nicht besuchen. Von seinem Barbier Schnappauf (auch ein Nibelung) erfuhr ich, daß nachmittags das Zahngeschwür geöffnet würde. Frau Cosima meinte, Wagner würde trotzdem sich nicht halten lassen und kommen. „Ich habe meinem Mann den Verlauf der gestrigen Probe in den schönsten Farben geschiclert.“ „Ja,“ hat er gesagt, „Ihr findet Alles schön, wenn ich nicht dabei bin.“ Ich ging dann zu Eilers und fragte, ob er auch ordentlich geübt hätte, und verordnete ihm Übungen zur Erlangungen seiner ihm fehlenden Bewegungen.
Vor der Probe hatten die beiden Damen Lehmann das Walküren-Kostüm angelegt, es ist das Schönste, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Es wurden Stellungen, Gangarten, Gebrauch des Schildes und Speeres geübt. Dann wurde Grane (ein Rappe) über die Felsstücke geführt, ein Pferd, dass König Ludwid hergeschickt, es ist 9 Jahre alt, fromm wie ein Lamm, das mit dem Maul nach der Hand sucht, um Zucker zu finden. Es sieht wunderschön aus, wenn es so drei Stock hoch über die Felsen herabkommt. Wagner kam abermals nicht in die Probe. Es wurde nur der Gesang mit Klavier durchgenommen (2. Akt Walküre).
