13. Juni. (13. Juni 1876)

Tagebuch von Richard Fricke

Wagner muß heute das Zimmer hüten, sein Gesichtsreißen ist ärger geworden. Er kam mir entgegen mit einem Brief an Hans Richter und las ihn mir vor. Der Inhalt wies Richtern an, Niemann zu bitten, heute die Regie (Wiederholung des ersten Aktes Walküre) zu übernehmen und mich bezüglich der Scheffsky und des Eilers hinzuzuziehen, der ich ihm bis jetzt so getreulich zur Seite gestanden. Nun, wir werden sehen. Ich habe mir gleich noch einmal Eilers vorgenommen und werde die Dame vor der Probe noch aufsuchen und mit ihr einzelnes besprechen.

Die Probe ging gut von statten. Niemann fühlte schon gestern, daß das Schwertziehen aus dem Eschenstamm nicht handgerecht sei. Ich sagte: „Zunächst ist es nicht natürlich, Sie müssen auf die andere Seite treten. Die Vorrichtungen zum Feststehen dabei müssen geschaffen werden.

Niemann fand alsbald den richtigen Weg und jetzt ist Stellung und Schwertziehen von großer Wirkung. Bei Frl. Scheffsky konnte ich mit der Probe nur wenig ändern. Ich werde morgen um 11 Uhr versuchen, die landläufigen unmotivierten Sängerin-Bewegungen mit den Armen fortzuschaffen, sie ist talentvoll und wird eine gute Sieglinde werden. Aber — mein guter Albert Eilers! Ich hätte nun und nimmer geglaubt, daß ein Sänger, der bereits beinahe 20 Jahre auf der Bühne agiert und ein tüchtiger Musiker ist, heute noch nicht stehen und gehen kann.

Was habe ich mich gequält mit Eilers was habe ich versucht, ihm das Charakteristische des Hunding klar zu machen, aber – wiedergeben, nachmachen? Liegt nicht drin! Wenn ich Wagner wäre, ich schaffte noch heute einen anderen Hunding.

Professor Döpler angekommen, wir freuten uns beide des Wiedersehens. Mit meinen Vorschlägen, betreffs der Garderobeneinrichtungen, ist er einverstanden: „Bleiben Sie mir zur Seite, dann muß es gehen, ich habe viel zu thun.“ Er wohnt im Wagner-Theater und äußerte den Wunsch, daß auch ich hinaufziehen möchte.

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