Heute vor 150 Jahren

Der Weg zu den ersten Bayreuther Festspielen in Tagebucheinträgen und Briefen. 

Am 13. August 1876 finden die ersten Bayreuther Festspiele statt. Der Weg dorthin ist steinig, denn es hagelt geradezu Rückschläge. Cosima und Richard bauen ein Theater, ein Wohnhaus, beschaffen Geld und erziehen 5 Kinder. Beide führen eine umfangreiche Korrespondenz und Cosima schreibt nahezu täglich Tagebucheinträge…

August 1876


Juli 1876


Juni 1876


Heute Morgen sagte ich Eilers nach allen Regeln meine Meinung. Ich schnitt ihn mit scharfen Messern. Gott weiß, was ich ihm alles sagte. Er war sehr niedergeschlagen. Die Probe mit Frl. Scheffsky, in welcher ich ihr alle Fehler nannte, die sie mit festem Vorsatz und gutem Willen bald besiegen würde,…

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R. sehr leidend, hatte eine schlechte Nacht; es ist keine Rede davon, daß er heute die Probe halten kann; ich besuche sie und kann ihm gute Nachricht davon mitbringen. Trotz seiner Schmerzen scherzt er und sagt, daß es sein Schicksal zu sein scheine, daß die Walküre hinter seinem Rücken aufgeführt…

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Wagner muß heute das Zimmer hüten, sein Gesichtsreißen ist ärger geworden. Er kam mir entgegen mit einem Brief an Hans Richter und las ihn mir vor. Der Inhalt wies Richtern an, Niemann zu bitten, heute die Regie (Wiederholung des ersten Aktes Walküre) zu übernehmen und mich bezüglich der Scheffsky und…

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R. hatte eine schreckliche Nacht, und ein Abszeß bildet sich am Zahn. Er muß die Probe absagen, welche nun Niemann, Fricke und Richter zu halten haben. – Beifolgenden Bericht 1 schickt Herr Feustel, eine Mahnung! Memento mori und daß Göttliches keine Götter macht. Ich bringe Herrn F. [1] einen Brief…

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6 Uhr Arrangierprobe mit Klavier: I. Akt Walküre. Der Meister hatte Gesichtsreißen, ging mit verbundenem Kopf und sagte zu Niemann, ihn begrüßend: „Lieber Niemann, wollen Sie sich nach Gutdünken ihre Scene zurecht machen. Aber Niemann war noch nicht fest und mußte noch mit dem Klavierauszug singen. Da sprang Wagner mit…

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R. sehr leidend! Kopfreißen, Zahngeschwür, er legt Blutegel an und besteht darauf, nachher in die Probe zu fahren. (Auch schrieb er inmitten von wütenden Zahnschmerzen an den König). Nach der Probe sehr unwohl. Erster Akt Walküre; Niemann, Scheffsky, Eilers – R. wiederum alles einstudiert, jede Bewegung, jedes Wort, alles.

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Mai 1876


Um 10 Uhr Tanzunterricht wieder Frau Cosima beiwohnte. „Mein Mann läßt Ihnen sagen, er hätte notwendige Angelegenheiten mit Ihnen zu besprechen, Sie möchten nach der Stunde nicht gleich fortgehen." Um 11 Uhr kam Unger; ich erzählte ihm von Frau Cosima, daß sie eine strenge Mutter sein müsse. Eine der Töchter…

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Nach der Tanzstunde mit den Kindern sprach ich Wagner meine Befürchtung aus, daß er mir später Vorwürfe machen könnte, weil gar nichts geschieht, was jetzt vorbereitet werden sollte.  Er beruhigte mich: „Sie tun genug! Daß Unger noch immer heiser ist, ist bedauerlich. Professor Döpler, dessen Beistand Sie mit Ihren Erfahrungen…

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10 Uhr dritte Lektion mit den Kindern. Nachmittag unternahm ich mit der Tochter eines Freundes einen Spaziergang nach dem Siegesturm. Ein angenehmer Weg führt an dem Wagner=Theater vorbei, wo auf einem Bergesrücken die Bayreuther ihren gefallenen Söhnen (1870) ein Denkmal gesetzt haben. 101 Stufen führen uns zu einer herrlichen Aussicht….

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6.2. Bayreuth, 18. Mai. Folgend der Einladung Meister Wagners und seines Verwaltungsrathes tagten am 15. und 16. ds. dahier die Delegirten der Richard Wagner-Vereine, um von dem Fortgange des Werkes, das demnächst ins Leben treten wird, Kenntniß zu nehmen, und die ihnen von Seiten desVerwaltungsrathes unterbreiteten Anträge zu beschließen.  Vertreten…

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10 Uhr zum Unterricht bei Wagner. Zu den Kindern hatten sich noch drei Schülerinnen gesellt, Töchter der Frau von Staff-Reitzenstein. 11 Uhr zu Anton Seidl in das Nibelungen-Bureau, er spielte mir die Musik zu dem 2. Auftritt der Nibelungen, wie sie den Hort herbeibringen (Rheingold). 7 Uhr zum Turnen. Meine…

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Schlechtes rauhes Wetter und wenig Erfreuliches. Herr Rubinstein unter anderem mit Klagen, daß er nicht zu den Proben zugelassen werde, um zu begleiten, während er sich mit allen hiesigen Musikern gestritten. R. darüber sehr ungehalten. Auch steigern sich die Ansprüche der Sänger. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia…

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Erste Vormittagsstunde um 10 Uhr mit Wagners Kindern, die sich auf den heutigen Tag wie auf eine Geburtstagsfeier gefreut hatten.  Frau Cosima wohnte dem Unterrichte bei und in den Pausen unterhielten wir uns über die Wichtigkeit eines plastischen Unterrichts für die auf der Bühne beschäftigten Künstler: Sänger, Schauspieler, Choristen und Statisten….

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April 1876


März 1876


Gute Nacht im Schlafcoupé, um 2 Uhr in Berlin [1]; erste Begrüßung durch Mimi; Unmöglichkeit, das Benehmen des Reichskanzlers in unserer Sache zu begreifen! …  Brief einer armen Uhrmachers- Frau aus Eidenach [2] in ich weiß nicht welchem Teil von Bayern, welche ihm rührend schreibt, die Prophezeiung des Brandes [3]…

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Im Gewerbemuseum[1] dem h. Franciscus von Cano meine Devotion dargebracht; dann zu Marie Dönhoff und Marie Hohenlohe. Darauf sehr hübsches Diner bei Direktor Jauner; um acht Uhr Abfahrt; der Chor wiederum auf dem Bahnhof, im Wartesaal »Wacht auf«, von ihnen wundervoll gesungen, hinterläßt den tiefsten Eindruck. Der hohe Raum, wenig…

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as Bayreuther Jahr! Es ist ist das Wichtigste in meiner künstlerischen Entwicklung und hat mir für alle Zeiten den Stempel aufgedrückt. Ich hatte das Glück, 3 Monate lang mit Richard Wagner 1n persönlichem Verkehr stehen zu dürfen und von ihm zu lernen, was ein begeisterter Schüler von dem grössten Meister lernen kann. Alles was ich kann, verdanke ich dieser Bayreuther Lehrzeit. Ich beginne auch von hier an die Kunst als Hauptangelegenheit meines Lebens au betrachten. Meine starken sinnlichen Anlagen erleben freilich keine Veränderung. Aber am Ende sind sie in unmittelbarem Zusammenhang mit jeder künstlerischen Tätigkeit! Richard Wagner hat am 2. März im Opernhaus den „Lohengrin“ persönlich dirigiert. Richter und Sucher hatten Angst, dass, nachdem der Meister so lange Zeit nicht mehr Theateraufführungen dirigiert hatte, etwas passieren könnte und pflanzten sich rechts und links im Orchester auf, um bei vorkommenden Schwankungen helfen zu können. Sie geben aber bald ihre Besorgnisse auf, nachdem sie sehen, wie er – abgesehen von der wunderbaren suggestiven Kraft seiner Persönlichkeit – auch technisch mit der grössten Vollkommenheit das Ganze leitete. Es war ein wunderbarer Abend! Müller: Lohengrin. Kupfer-Berger: Elsa. Scaria: König. Nollet: Telramund. Materna: Ortrud. Chöre, Orchester prachtvoll! Vorspiel: Sehr, sehr langsam und unendlich breit! Vorspiel in As-moll zu „Du trugest ihm meine Klage“ sehr breit und ausdrucksvoll. Schwanenchor Trompeten pianissimo beginnen. Zeitmass ruhig anfangen, dann sehr steigern! Am Schluss (A dur) sehr feurig und belebt. Keine Portamenti der Sänger! Alles streng 1m Takt! Kein Recitativ "Viel lieber tod als feig" nicht schnell, Orchester in fp. dämpfen; Umzug der Ritter zum Bilden des Kampfringes ziemlich belebt! Heerufer alles im Tempo! Gebet Es-dur, nicht zu langsam. Kampf, sehr schnell! Schluss I. Akt nicht schnell zu Beginn, dem erst nach und nach steigern. Vorspiel II Act. Englisch Horn (kurze Notation) Einmal mf, das zweite Mal fast unhörbar leise! Nach "Gott „(Ortrud) erschreckend lange Pause! Ebenso vor "Du wilde Seherin". Bass Klarinette für F1s-m0ll Motto sehr langsam. Dann Dialog fliessend. "In Liebe" B-dur lang, dann as-cis (Hob.Nr.+) anschliessen. Hoboen "in s fernste Elend schickt" sehr starkes crescendo. Die Figur (Notation) sehr ruhig! Anruf an die Götter sehr rasch, heftig und ohne Pausen vor Einsatz der Triolen. (D) "Nur eine Kraft" recht langsam. Zwischenspiel schnell (Notation). Chöre pianissimo sehr wichtig! „Von ihm wird Keine“ die Viertel langsam markiert aber ohne riterdando. III. act. Vorspiel. Nicht schnell aber feurig! Beim Hochzeitschor „Rauschen des Festes, seid nun entronnen“ starkes Zurückhalten es Tempo –

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Besuche gemacht, empfangen, um halb sieben »Lohengrin«, R.'s magische Direktion wirkt Wunder, das Orchester spielt das Vorspiel, wie ich es nie gehört habe, der Chor ist prächtig, leider die einzelnen Sänger mehr denn mittelmäßig, unkorrekt, stimmlos, ohne Vortrag. Mehr und mehr erkenne ich die Unmöglichkeit, irgend etwas Erhabenes auf diesen…

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Februar 1876


Diktat; große große Schwermut; einzige Erheiterung durch Siegfried. R. wandert zum Theater hinaus, alles wüst dort oben! Die Vorbereitungen zur Einquartierung müssen sehr lässig betrieben werden, da man nicht im entferntesten bestimmen kann, wer kommt! – – Mein Schwarzsehen geht so weit, daß ich kaum mehr an die zahlende Neugierde…

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Liebster bester Freund!  Auf die Frage »wie's uns geht« ließe sich Vieles antworten! Die Welt, und namentlich auch »Germania«, wird mir immer widerwärtiger!  Unsere Sorgen sind groß und schließlich muß ich den Vorsatz, die Aufführungen in diesem Jahr noch stattfinden zu lassen, für tollkühn ansehen. Wir sind mit den Patronatscheinen…

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R. bereitet das Debüt von Herrn Unger in Wien vor, er wünscht, daß dieser mit Frau Materna die Scene aus dem 3ten Akt von Siegfried singt. Von Wien erfahren wir nur, daß das Abonnement-Quantum nicht zugestattet wurde. Fr. v. Staff und Frau v. Künsberg bei uns zu Tisch. Abends »Don Quixote«….

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Lichtmeß – wenig Helle bei uns, Sehnsucht nach Ruhe bei mir; »vielleicht«, meint R., »entsteht nach der Aufführung eine Schamröte, welche zur Morgenröte einer neuen Zeit wird«. –  Abends Gesellschaft bei hiesigen Patronen. Für R. eine Prüfung. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised…

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O mein theuerster Freund!  Einen Brief nach Monaten von mir zurückverlangen, ist ein Attentat auf meine Natur! Ich habe an Brassin ausführlich geschrieben – was ich aber mit seinem Briefe gethan habe, weiß ich nicht, – da ich ihn nicht finde. Verzeihen Sie das!! – Im Betreff unserer großen Geschäfte…

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Januar 1876


Abschied von Daniella, ich empfinde deutlich, daß hier die große Prüfung meines Lebens mir auferlegt ist. Der Tag ist trübe, der Abend auch. R. und ich voller Sehnsucht, daß er an die Arbeit könnte! … Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation…

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R. träumte, daß er die 9te Symphonie zu dirigieren habe, in Dresden oder München, vorher sehr hungrig durch eine Eisenbahnrestauration gegangen, wo Frankfurter Würste, sich welche dort bestellt; gekommen, sie zu holen, sieht er zwei Männer seine Portion essen, und die Person des Buffets maliziös impertinent, auch die Wirtin, nicht…

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R. sehr aufgeregt, keine Nachrichten von nirgendswo zu erhalten! Ich sehe die Bücher nach, Einteilung nach Mark. Nachmittags gehe ich zu Herrn Feustel, um noch ein Mal verschiedenes zu besprechen; R. entschließt sich nach Brüssel zu Konzerten, wenn ihm die Summe von 40000 frcs, welche Herr Brassin angegeben hat, garantiert…

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In Sorgen ruhen wir und wachen wir auf; neulich machte R. das Soll und Haben dieses Jahres, wie vieles des Schlimmen, wie wenig des Guten, Fürstner, Voltz, Batz, die Presse nach den Proben, Richter, die Erfahrungen in Wien, Scaria, nun K. König [1]!  Wie ein Damoklesschwert (eine erneuerte Schnorr'sche Erfahrung…

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R. träumt schon seit mehreren Tagen von hübschen Landschaften, in welchen er wandelt, diesesmal mit Rus, welcher voller weißen Staub in den Augen etwas Gespenstisches hatte; ich höre wachend die Kuhglocken von Tribschen, sie läuten mir förmlich in die Ohren und gemahnen mich schöner Zeiten! Gott, wie soll R. denn…

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Wir haben heute unsere hiesigen Freunde (Feustels, Großens, Bürgermeisters) zu Tisch. R. trinkt ihnen zu, sie einzig hätten ihm gute Erfahrungen in diesem Jahre zugeführt; daß er diese Freunde gefunden hätte, sei ihm eine Bürgschaft des Gelingens. Freund Feustel antwortet hübsch. –  Wir erfahren noch, daß in diesen Zeitungen, wo…

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In die Kirche gegangen! Darauf Besuche empfangen. R. erfährt, daß sie in den Zeitungen sagten, Herr Scaria habe 2000 Gulden für den ganzen Aufenthalt in Bayreuth verlangt und sei vom Verwaltungsrat abschlägig zurückgewiesen worden! R. fordert durch Standhartner Berichtigung. –  R. liest in der »Geschichte der Araber« und sagt: Je…

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