#COUNTDOWN1876
Heute vor 150 Jahren
Der Weg zu den ersten Bayreuther Festspielen in Tagebucheinträgen und Briefen.
Am 13. August 1876 finden die ersten Bayreuther Festspiele statt. Der Weg dorthin ist steinig, denn es hagelt geradezu Rückschläge. Cosima und Richard bauen ein Theater, ein Wohnhaus, beschaffen Geld und erziehen 5 Kinder. Beide führen eine umfangreiche Korrespondenz und Cosima schreibt nahezu täglich Tagebucheinträge…
August 1876
Zwei höchst interessante Tage sind zu verzeichnen. Welch eine Menge von Menschen im Festkleid sich schon Sonnabend von Mittag an durch die Straßen bewegte. Ich zog nicht, wie es bei Feustel vorher bestimmt war, das Festeskleid an, um am Bahnhof Spalier mitzumachen, warf mich vielmehr in das Volksgewühl und sah…
View moreWalküre, diesmal ohne Not; außer einem Zwischenfall, welcher R. sehr erschreckt. Er wird vom Kaiser berufen, dieser rühmt alles sehr, sagt scherzend, wenn er Musiker gewesen, hätte ihn R. nicht dahinein bekommen (in das Orchester), bedauert, nicht länger als die zwei Aufführungen bleiben zu können, worauf R. erwidert: Die Gnade…
View moreSonntag erste Rheingold-Aufführung mit vollständigem Unstern, Betz verliert den Ring, läuft zweimal in die Kulissen während des Fluches, ein Arbeiter zieht den Prospekt zu früh bei der ersten Verwandlung heraus und man sieht die Leute in Hemdärmeln da stehn und die Hinterwand des Theaters, alle Sänger befangen etc. etc. -…
View moreHeute war Ruhelag, ich schlief sehr lange und fuhr dann mit Kollegen nach Berneck. Obgleich ein heißer Tag, kletterten wir auf den Bergen und Ruinen Bernecks herum und soupierten dann wie die Schlaraffen, Suppe, Krebse, Forellen und Entenbraten.
View moreLetzte Probe, Götterdämmerung. Mit Hängen und Würgen, wie man zu sagen pflegt, und für mich unter Schweiß und Angst, ging die Probe von 5—11 ¼ Uhr zu Ende. — Die Schlußscene ging erbärmlich und wird womöglich Fiasko machen, wenn Brandt nicht alle Minen springen läßt und ihm nicht günstige Zufälle…
View moreUm 10 ½ Uhr begab ich mich zu Wagner. Er empfing mich äußerst erregt, aber freudig bewegt. Wir gingen ins Eßzimmer, tranken ein Glas Wein. Er sah mich an, trommelte mit den fingern gegen seine Stirn. — Was ging dem Meister alles durch den Kopf? Er fand sich allmählich wieder. Ich…
View moreDie Probe zur Walküre vor Publikum, da die Akustik dadurch besser ist. Viel Mißbrauch mit den Billets. 8ten und 9ten auch öffentliche Proben, R. immer bei dem König; bei der Abreise will er eine Art Verstimmung merken, der König verbietet alle Ovationen, und doch scheint er verwundert, wenn sie nicht…
View moreDer König war in der Nacht angekommen. Von Bayreuth fuhr er gleich nach der Eremitage. Wagner hatte ihn auf der Station erwartet, fuhr mit ihm und blieb bis nachts 3 Uhr ohne Hofbeamten bei ihm. Heute Morgen, die Stadt hatte sich aufs schönste geschmückt, fuhren die Spitzen der Verwaltung und…
View moreMehrere Ankünfte, unter andren auch Fürst Liechtenstein's; heitres Mittagessen, abends Generalprobe ohne Publikum, der König befiehlt mich auch zu sich und sagt mir, ich hätte doch nie daran gezweifelt, daß er uns treu bliebe. Die Probe geht sehr gut. Große Illumination für den König und Hochrufe.
View moreJuli 1876
Juni 1876
R. doch immer sehr angegriffen, beklagt sich, daß er gänzlich das Namens-Gedächtnis verloren, neulich habe er Wilhelmj nennen wollen, und der Name sei ihm ganz entfallen. Er geht in die zweite Probe von Siegfried mit Klavier, nachdem er am Morgen die Orchesterprobe überwacht (die Tempi sehr wenig noch von Richter…
View moreBezüglich der Proben vom 20. und 21. Juni habe ich noch nachzuholen, daß Wagner wieder alles änderte, was er am 19. arrangiert hatte. Er ging noch weiter, er änderte sogar die Tempis im Orchester, und bei der Stelle der Brünnhilde: „Lebe, Weib, um der Liebe willen,“ was er gestern ganz…
View moreErste Siegfriedsprobe mit Klavier – Herr Unger erfreut R. sehr, er sagt, er sei der einzige, der etwas von ihm gelernt. Erste Zugvögel – Gräfin Usedom mit Tochter. Wir bleiben abends in der Restauration, R. und ich.
View moreDritte Walküren-Probe, viel Ärger. Unrichtige Tempi des Orchesters, und Frl. Scheffsky beinahe unmöglich! Wir bleiben oben, R. und ich, das Gespräch erheitert ihn etwas. Pläne wegen Frl. Scheffsky …
View moreNachtfahrt nach der Phantasie. Sehr übermütig. Als ich bei einer Orchesterprobe der „Walküre“ bei der Stelle: „Gefallner Helden hehre Schar umfängt Dich dort“ die hellen Tränen in den Augen habe, bemerkt dies Wagner, kommt auf mich zu, gibt mir scherzhaft einen Stoss vor die Brust und sagt: „Was sind das für…
View moreR. geht es nicht schlimmer, doch immer nicht gut, er fährt mit mir in die Orchesterprobe und hat hier auch alles zu sagen! Nachmittag zweite Probe des dritten Akts (Walküre). Gestern war die erste, zur Erschütterung aller Mitwirkenden und Zuschauenden. Wie R. Frl. Scheffsky die Gebärde vormachte, mit welcher sie…
View moreNachricht vom Tode August Röckel's [1]. Trauriger Eindruck davon, welcher sich mehr auf die Trennung durch das Leben bezieht als durch den Tod.
View moreFrau Jaide hochbegabte Künstlerin. Phantasie mit Levy, Lehmann. Lammert. Freundschaft mit Brandt sen. u. jun. Lustige Abende in der „Sonne“.
View moreErst heute komme ich nach vielen unruhigen Stunden dazu, Bericht zu erstatten. Der Meister konnte auch Freitag nicht zur Probe kommen, Schmerzen, welche ihn aufs heftigste plagten, und eine schlimme Nacht im Fieberzustande zwangen ihm, im Hause zu bleiben. Hans Richter, der mir vor Beginn der Probe, während wir zusammen…
View moreMai 1876
Fricke hat das Urbild des Kapellmeister Kreisler [1] (M. Louis Bötner) noch gekannt. [1] Bezugnahme auf den Roman E.T.A. Hoffmanns “Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biografie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern“, den Mottl gerade liest.
View moreDer Diener Wagners brachte mir die geliehene Violine mit zerbrochenem Saitenhalter. Sie war von einem kleinen Knaben im vollen Regenwetter, nach der Probe im Opernhause, in Wagners Villa gebracht worden und in der Nacht platzte die Geschichte wahrscheinlich auseinander. Um 10 Uhr zur Stunde, ich fand die Kinder spielend im…
View moreArbeit in der Kanzlei. Ich fange (merkwürdig genug in diesem Augenblick) meine Oper „Bernauer“ zu komponieren an. Lese Kater Murr, von E.T.A. Hofmann.
View moreNach der üblichen Lektion bei den Kindern Unterhaltung mit Wagner von seinem körperlichen Unwohlsein. „Hier sitzt es“ sagte er und faßte sich in die Magengegend, „ich habe gar keine Zeit, sonst würde ich wieder einmal Marienbader trinken, und außerdem ist mein Nervensystem schauderhaft gestört. Sie haben keine Ahnung, womit ich…
View moreKorrektur in der „Kanzlei“. Pizzicato. Arco. Seidl diktiert: „Pizz – Arc – und wir corrigieren. Wagner sagt, dass das Meistersingervorspiel durchwegs zu langsam genommen wird. Es soll ein kräftiges Marschtempo sein! Er spricht sehr lobend über die Meininger Schauspiele. Schwärmt von Kleist’s Hermannschlacht. Abends Restauration oben.
View more10 Uhr 9. Lektion mit den Kindern. Frau Cosima bat mich, Josef Rubinstein*), welcher durch sein sonderbares Wesen sich schon bemerkbar gemacht, übrigens, wie ich bei der Gelegenheit er fuhr, bereits einmal geisteskrank gewesen, aufzusuchen, da er seit mehreren Tagen sich nicht hatte sehen lassen. Ich ging ihrem Wunsche gemäß…
View moreZum Meister. Er spricht viel über Mendelssohn, dessen Formsinn er lobend erwähnt. Auch über Mendelssohns Conzertouverturen spricht er sehr anerkennend. Besonders der „Hebriden“. Ich spreche Sieglinde mit dem Ton auf der zweiten Silbe aus! Er wird wütend darüber, schimpft auf das Undeutsche der Oesterreicher (Halb sind sie Slaven, und halb…
View moreHimmelfahrtstag. Regnerisch, unfreundlicher Morgen, noch immer kalt. 11 Uhr geschäftliche Besprechung bei Wagner mit Unger, Mottl, Seidl. Der alte Brandt ist angekommen. Es wird tüchtig an der Aufstellung der Scenerie zu Rheingold gebaut, vielleicht können wir morgen schon mit den Schwimmproben beginnen. – Parade-Musik im Hofgarten, der an Wagners Heim…
View moredie Künstler kommen nach und nach. Niering, Runckwitz Architekt. Hofgarten. Probe mit den Turnern. Fricke zeigt ihnen die Stellungen für die Nibelungen im Rheingold. Wir agieren alle wacker mit!
View moreApril 1876
Unterricht den Kindern; R. lauter Hiobs-Posten – Herr Unger kommt an, jedoch mit einem Übel im Hals! Keine Nachricht von der Brandt, welche jetzt Sieglinde übernehmen soll, und, schlimmstes, Lilli Lehmann und [Minna] Lammert [1] bekommen keinen Urlaub; Herr v. Hülsen läßt spielen bis 1ten Juli!!1 Dazu der Zustand des…
View moreAbschied von Richter; er spricht es deutlich aus, daß den Leuten in Wien gar nichts daran läge, ob Bayreuth zu Stande käme, und daß man das Zerwürfnis mit Scaria mit Willen herbeigeführt. Am Nachmittag erhält R. noch von Kmeister Levi die Nachricht, daß in Folge des Wiederbeginnes des Münchner Theaters…
View moreRichter einzig noch bei uns; gemeinschaftlicher Besuch des Theaters; traurigster Eindruck, kein Vorwärtsgehen! … Heimgekommen, Brief von Herrn Direktor Jauner, sich freuend, die Walküre für Wien1 zu bekommen (Bedingung für die Materna!!!), will schon jetzt mit Dekorationen beginnen – – -. R. außer sich; dabei werden immer [noch] nicht die…
View moreAbschied von Dr. Schönaich! Freund Richter dafür eingezogen, keine schönen Nachrichten von Wien mitbringend. Diner mit ihm und Pr. Bernays; auch den Abend zusammen. Gestern wurde schön musiziert, Tristan und die Meistersinger, heute Unsinn Othello [1]. [1] Wortlaut unzweifelhaft, gemeint ist die Oper »Othello« von Gioacchino Rossini (1792-1868). Traduzione in…
View moreHausbesorgungen, Diner für Pr. B., den Bürgermeister, bei welchem er wohnt, den Kirchenrat. Sehr gute Stimmung; der Pr. weiß und kennt sehr viel und, was vielleicht noch mehr heißt und seltener ist, erkennt R. –
View moreBesuch von Pr. Bernays[1] aus München, dem größten jetzt lebenden Kenner Goethe's; sehr angenehme Bekanntschaft. Nachmittags ein wenig erschreckend [überraschend]1 Dr. Schönaich [2]; wir nehmen ihn im Hause auf. Wie ich im Zimmer allein bin, drängt es mich zum Klavier, und leicht ergießt sich meine Stimmung in Tönen. Die Sonnenstrahlen…
View moreUnterricht den Kindern. R. sehr mit juristischen Fragen beschäftigt, behauptet, an den Reichstag gehen zu wollen, um bis in das einzelne das Gesetz durchführen und deuten zu lassen.
View moreKarfreitag! Gute Stimmung, gute Gedanken! Nachmittags in der Kirche [1], nicht viel Erbauung.
View moreHausnöte, Gouvernante Ferien wünschend, Stubenmädchen fort etc. Dazu Siegfried heiser. R. erhält einen rührenden Brief von einem Seminaristen, welcher um Eintritt zu den Spielen bittet, aber hinzufügt, daß, wenn dies nicht möglich, er die Hälfte seines Gehaltes (600 Gulden jährlich) dafür bestimmen würde! – – – Abends Konferenz, Freund Feustel…
View moreMärz 1876
Geschäftliche Besorgungen, R. erhält einen Brief des Musikdirektor Thomas [1], nach welchem das Damen-Comité in Philadelphia die Bedingungen des Marsches angenommen mit dem einzigen Wunsch, der Marsch möge ihnen gewidmet sein. Herr Tribert telegraphiert, daß er mit Dank annimmt, meine Interessen zu vertreten. Stiller Abend. [1] Theodor Thomas (1835-1905), gründete…
View moreUm ein Uhr daheim, die Kinder wohl und heiter. Große Müdigkeit. Früh zu Bett.
View moreTheuerster Freund! Ich ersuche Sie, unseren Freund Gießel ernstlich darum anzugehen, daß er seinem Redacteur die Weisung ertheile, meinen Namen, und meine Angelegenheit in keiner Weise mehr in die Feder zu nehmen. Ich habe genug von der künstlichen Confusion der großen Zeitungen über mich, und wünschte nicht diese hier fortgeführt…
View moreFrühbesuche, R. auch bei Hülsen, Prinz Georg, Bismarck und Helmholtz. Bucher bei uns zum Frühstück. Nachmittag Besuch des Prinzen Georg, Abschieds-Diner bei Mimi. Der Kaiser erkläre, der Tristan sei ein magnifiques Werk, die Kronprinzessin ernst damit beschäftigt. Abends um 8 Uhr Abschied von der ausgezeichnetsten Frau. In Leipzig übernachtet. eigenhändiges…
View moreKaisers Geburtstag mit furchtbarem Schneegestöber; mir bringt er nebenbei eine Anzahl Geschäftsbriefe zu schreiben. Der Notar meldet nämlich, daß die mir zukommenden und auch mir vermachten 40000 frcs in großer Gefahr durch die andren Klauseln seien! Ein traurigster Zustand, nach allen Seiten! … Ich tue das Meinige, um mit Schonung…
View moreR. hat große Kopfschmerzen, hält sich [den] Tag über ruhig, um abends das Diner der Sänger anzunehmen; er gewinnt dabei ein völliges Verständnis der Persönlichkeit von Herrn von Hülsen. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [© Jo Cousins…
View moreDie Zeit über nicht geschrieben, am Donnerstag fand eine Probe der drei Akte hintereinander statt, nach welcher R. und die Sänger eine Probe im Kostüm unnütz fanden. Am 17ten beendigt R. den amerikanischen Marsch und erhält dafür 5000 Dollars (25000 frcs). Diner bei Herrn von Hülsen mit einigen Würdenträgern! Abends einige…
View moreFreund Feustel hat die amerikanische Anweisung, R. muß doppelt angestrengt arbeiten. Probe des dritten Aktes; Herr Niemann immer unerfreulicher, verbirgt die Impotenz unter Heftigkeit und Aufgeregtheit. Der gute Kapellmeister Eckert auch durchaus unfähig – Gott, Schnorr und Hans, das Studium in München [1]! Wie anders! Ich habe Not mit Billetanfragen!…
View moreZweiter Akt probiert; Herr Niemann sehr unerquicklich; R. arbeitet an dem Marsch, ich empfange einen hübschen Brief von Mr. Tribert [1], meiner Mutter bester Freund. Abends einige Besuche. – Komische Berichte über die Despotie des Herrn Joachim [2] hier. [1] Tribert, französ. Schriftsteller, war mit Marie d'Agoult befreundet.[2] Vermutlich Joseph…
View moreFebruar 1876
Herrn Hans Richter, k. k. Hofkapellmeister WienMargarethenstr. 7, Wieden Lieber Freund! Ich habe soeben an Dir. Jauner geschrieben. Die Entscheidungen wegen des Chorbenefizes[1] verdrießen mich tief; ich hoffte den Leuten gegen 5000 fl. zuzuwenden, jetzt beschränkt sich Alles auf die Annahme, ihnen fl. 2000 zu verschaffen, also etwa fl. 20 für jede Tasche,…
View moreIch bin mit dem Entwurf zu R.'s Geburtstag beschäftigt, nebst dem Unterricht. R. ärgert sich sehr über eine Depesche Jauner's, meldend, daß die Hälfte der Einnahme nebst Tages-Kosten dem Theater zufallen soll und dem Chor also ungefähr 2000 fl. bei der Aufführung des Lohengrin nur zukommen wird. Abends Konferenz wegen…
View moreFreier, d.h. Brief-Tag für mich; R. ist fertig mit dem Entwurf, spielt ihn mir vor, er ist herrlich, viele gute Laune darüber. – Abends einige hiesige Bekannte. …
View moreR. arbeitet, ich gebe Unterricht. Neulich telegraphierte Herr Niemann nach den Stimmen des sogenannten »Liebeslied« [1] für ein Hofkonzert in Meiningen, das erste direkte Lebenszeichen nach der Zurücksendung des Siegmund; wie ich R. frug, ob er sie ihm schicke, antwortet er: »Einem geschenkten Siegmund sieht man nicht in den Schlund!«…
View moreFrühling, die Stare sind da; R. aber ist unwohl, er meint, zu viel ginge ihm durch den Kopf, Tristan in Berlin, Prozesse, Wohnungs-Angelegenheit, Lohengrin in Wien, dazu soll bis zum 15ten März die amerikanische Komposition vollendet sein! Und ob überhaupt ihm die 5000 Dollars zugesagt werden? Er ist so angegriffen,…
View moreR. sehr von seiner Komposition bedrängt; doch feiern wir Evchen ganz heiter. Am Nachmittag nimmt R. mehreres von Händel vor und erstaunt über die Banalität; gar keine Tiefe, kein Christentum, der rechte Jehovah-Dienst. Einzig ist ihm großartig in der Erinnerung die Cäcilien-Ode. – R. bleibt dabei, er selbst sei kein…
View moreIch gebe mir viele Mühe mit dem Unterricht, ob mit Erfolg? … Herr von Hülsen schreibt sehr freundlich, daß Tristan erst 15ten März stattfinden kann, der Schwierigkeit des Werkes wegen. Dies ist R. recht. Nach Tisch zeigt er mir das neueste Album-Blatt, »Amerikanisch sein wollend«, und sagt, es sei der…
View moreTauwetter, R. nicht günstig; er arbeitet jedoch Vor- und Nachmittag. Abends schreibt der Redakteur der Weser-Zeitung und gibt sich als den Autor des Aufsatzes in der Fr. Zeitung an. – Gestern schrieb ein Herr aus Italien, um sich zu erkundigen; die italienischen Zeitungen meldeten, die Aufführungen fänden nicht statt, das verwirre ihn und mehrere Bekannte, welche ihnen beiwohnen wollten! … R. klärt ihn auf. …
View moreR. immer arbeitend, klagt darüber, daß er sich bei dieser Komposition gar nichts vorstellen könne, beim Kaiser-Marsch sei es anders gewesen, selbst bei Rule Britannia, wo er sich ein großes Schiff gedacht, hier aber gar nichts außer den 5000 Dollars, welche er gefordert und welche er vielleicht nicht bekäme. Abends…
View moreJanuar 1876
Diktat; Spaziergang; abends Besuche, Symphonie von Haydn und das neue Bild aus dem Ring des Nibelungen von Rubinstein. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [© Jo Cousins | WAGNER Salon] Weiterführende Dokumente: Further Documents (in German): Documents supplémentaires…
View moreImmer gleiche Tätigkeit; R. beschäftigt sich weiter mit den Arabern durch das Werk von Bon Schack; Abends »R. II.« von Shakespeare, unter den historischen Stücken mein Liebling – ein Akt gelesen, gibt Veranlassung zu endlosem Staunen, Bewundern, Wiederlesen, Besprechen, es ist, als ob man nie alles erfaßt hätte – eine…
View moreUnterricht und Diktat; R. zu Feustel's Geburtstag gratulierend – – – Abends weiter in Pr. Lagarde's Broschüre gelesen. Vieles Vortreffliche darin gefunden. Immer mehr bedenken wir, R. und ich, die Erziehungsfrage; Gedanken der Errichtung einer Musterschule, mit Nietzsche, Rohde, Overbeck, Lagarde. Ob der Schutz des Königs dafür zu erlangen? ……
View moreWeiteres Diktat und Unterricht; R. erhält von Herrn Betz die Meinung, daß man auf Scaria zu verzichten habe. R. schreibt in diesem Sinne an Dr Jauner. Wie wird nun Frau Materna sich benehmen? … Andere Tagesordnung (Speisen um 3 Uhr), Gouvernanten- und Kammerjungfer-Zank, dazu für mich noch Augenleiden! … Traduzione…
View moreDiktate und Arbeit. Dazu Ankunft von Tantièmen und Berechnung der Ausgaben. Bon Hofmann schreibt vom schlechten Besuch des Theaters; überall herrscht völliger Schrecken über die finanzielle Kalamität. »Daß nur ein Mann wie Bismarck uns helfen konnte«, sagt R., »zeigt, daß wir verloren sind.« – – Direktor Jauner telegraphiert, daß er…
View moreDer König schickt seine lebensgroße Photographie; Dr. Strecker [1] (B. Schott's Söhne Nachfolger) besucht uns und bringt die Partitur von Siegfried. Er erfreut uns durch ein sehr artiges Benehmen. Immer Diktat und Arbeit mit Boni. – Abends beginnen wir die Broschüre: »Über die jetzige Lage des deutschen Reiches«, welche Pr….
View moreR. schrieb ein Thema, welches ihm abends angekommen, auf und findet, daß das Gegenthema bloß in der Umkehr bestehen könne; im Ohre gebe es Melodienspektra wie im Auge Lichtspektra. Diktat; Besuche mit R. – Herr Groß bringt eine Notiz von Feustel, dieser habe einen Brief aus Berlin erhalten, wonach es…
View moreBerlin, den 15. Januar 1876. Spezial-Bureaudes Reichskanzlers. An den Herrn Professor Richard WagnerHochwohlgeborenBayreuth Eurer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das an den Fürsten Reichskanzler gerichtete Schreiben vom 28. v. M. erhaltenem Auftrage gemäß ganz ergebenst zu erwidern, daß nochmals amtliche Erwägungen darüber stattgefunden haben, ob nicht der beantragte Vorschuß für…
View moreNeffe Jachmann meldet, daß die Anwesenheit R.'s nicht unbedingt notwendig sei; wir feiern die Rückkehr R.'s 1 aus Berlin. – Abends spielt uns Herr Rubinstein einiges vor, unter anderem auch Mihalovich's Komposition »Hero & Leander«, welche bei Zeugnisse von dezidiertem Talente uns sehr nachdenklich stimmt. Fußnoten1 Rubinsteins. Traduzione in italiano…
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