#COUNTDOWN1876
Heute vor 150 Jahren
Der Weg zu den ersten Bayreuther Festspielen in Tagebucheinträgen und Briefen.
Am 13. August 1876 finden die ersten Bayreuther Festspiele statt. Der Weg dorthin ist steinig, denn es hagelt geradezu Rückschläge. Cosima und Richard bauen ein Theater, ein Wohnhaus, beschaffen Geld und erziehen 5 Kinder. Beide führen eine umfangreiche Korrespondenz und Cosima schreibt nahezu täglich Tagebucheinträge…
April 1876
Richter einzig noch bei uns; gemeinschaftlicher Besuch des Theaters; traurigster Eindruck, kein Vorwärtsgehen! … Heimgekommen, Brief von Herrn Direktor Jauner, sich freuend, die Walküre für Wien1 zu bekommen (Bedingung für die Materna!!!), will schon jetzt mit Dekorationen beginnen – – -. R. außer sich; dabei werden immer [noch] nicht die…
View moreAbschied von Dr. Schönaich! Freund Richter dafür eingezogen, keine schönen Nachrichten von Wien mitbringend. Diner mit ihm und Pr. Bernays; auch den Abend zusammen. Gestern wurde schön musiziert, Tristan und die Meistersinger, heute Unsinn Othello [1]. [1] Wortlaut unzweifelhaft, gemeint ist die Oper »Othello« von Gioacchino Rossini (1792-1868). Traduzione in…
View moreHausbesorgungen, Diner für Pr. B., den Bürgermeister, bei welchem er wohnt, den Kirchenrat. Sehr gute Stimmung; der Pr. weiß und kennt sehr viel und, was vielleicht noch mehr heißt und seltener ist, erkennt R. –
View moreBesuch von Pr. Bernays[1] aus München, dem größten jetzt lebenden Kenner Goethe's; sehr angenehme Bekanntschaft. Nachmittags ein wenig erschreckend [überraschend]1 Dr. Schönaich [2]; wir nehmen ihn im Hause auf. Wie ich im Zimmer allein bin, drängt es mich zum Klavier, und leicht ergießt sich meine Stimmung in Tönen. Die Sonnenstrahlen…
View moreUnterricht den Kindern. R. sehr mit juristischen Fragen beschäftigt, behauptet, an den Reichstag gehen zu wollen, um bis in das einzelne das Gesetz durchführen und deuten zu lassen.
View moreKarfreitag! Gute Stimmung, gute Gedanken! Nachmittags in der Kirche [1], nicht viel Erbauung.
View moreHausnöte, Gouvernante Ferien wünschend, Stubenmädchen fort etc. Dazu Siegfried heiser. R. erhält einen rührenden Brief von einem Seminaristen, welcher um Eintritt zu den Spielen bittet, aber hinzufügt, daß, wenn dies nicht möglich, er die Hälfte seines Gehaltes (600 Gulden jährlich) dafür bestimmen würde! – – – Abends Konferenz, Freund Feustel…
View moreViel mit den Kindern; R. erhält einen Brief von Dr. Standhartner, Direktor Jauner stellt als Bedingung der Beurlaubung von Frau Materna: Tristan und Walküre für Wien nächsten Winter. So ist schon, bevor das Werk hier zu Stande gebracht, der Keim seiner Auflösung da! R. klagt, daß er von der Schmach…
View moreHerr Brandt kommt, ein eigentlicher Trost, da er einzig hilft; seine Berichte vom Theater sind unerquicklich; der Bauführer erweist sich als durchaus untätig. R. setzt Circulare auf, um die Sänger zu verbinden.
View moreMärz 1876
R. träumt, daß ich mich in's Wasser stürze, und wacht in Tränen und Schreien auf; mich erstaunt es, weil ich niemals so viel und mit solchem Sehnen an den Tod gedacht. Abends der »Kladderadatsch«, welcher viel Drolliges über Tristan und Isolde's Aufführung bringt! – Mr. Tribert schrieb sehr freundlich über…
View moreLoldi krank, erkältet; ich verteile meine Zeit zwischen ihr und dem Unterricht. R. ist nicht ganz wohl.
View moreKonferenz, wobei der Maschinist Brandt wiederum seine ganze Superiorität zeigt; er einzig weiß Rat; die Decke, welche nicht mehr hier gemacht werden kann, soll auf Leinwand von den Brückners gemacht werden. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [©…
View moreBesuche empfangen! Es heißt in den Zeitungen, R. würde Generalmusikdirektor, dann, er verkaufe das Theater an das Reich (!!!), dann wiederum das Faust-Projekt! R. bespricht mit dem Bürgermeister die trostlose Lage des Theaters. Nachrichten vom großen Erfolg der 2ten Aufführung. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti |…
View moreGeehrter Herr! Ich bedaure wahrhaft, immer noch nicht die freie Zeit gewinnen zu können, um über Ihre Altgeige mich so ausführlich vernehmen zu lassen, wie ich es für nöthig halte, um auch meinerseits dazu beizutragen, diesem Instrumente die ihm gebührende Beachtung zu verschaffen. Ich bin überzeugt, dass die allgemeine Einführung…
View moreHausgeschäfte und Kinder-Unterricht. Nachmittags zum Theater hinausgefahren, großer Schrecken über den dortigen Zustand, es scheint unmöglich, daß es zur Zeit fertig werde! … Abends in »Don Quixote«, die herrliche Scene, wo dieser Sancho Ratschläge gibt für den Antritt der Statthalterei. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti |…
View moreBriefe geschrieben; Depesche Eckert's über den großen Erfolg der zweiten Aufführung. Abends Herr Rubinstein, Auseinandersetzungen!
View moreGeehrtester Herr Doctor! Die Zeit ist nun da, wo ich mich mit Ihnen über die Deutung der verschiedenen Contracte oder Reverse, welche ich mit der Firma B. Schott's Söhne zum Zwecke der Erlangung diverser Vorschüsse, (zusammen, wenn ich nicht irre,) auf 16000 fl. sich belaufend, abschloß und unterzeichnete, zu…
View moreMein werthester Freund! Kurz und bündig! Hier die »zu erledigenden Fragen«, welche mir Doepler in Berlin übergab: Seien Sie so gut, bei jeder Nummer einfach zu bemerken, was Sie übernehmen, und was dagegen Doepler übernehmen soll. Ihr lieber Herr Bruder war mir in Berlin von großer Wichtigkeit: ihm allein vertraute…
View moreFebruar 1876
Um halb zwei Abreise, gute Stimmung, mildes Wetter; in Eger erhalten wir die Nachricht, daß kein Anschluß ist und daß wir hier übernachten müssen, das ist uns förmlich erheiternd, da wir nach allen Seiten Erkundigungen in Bayreuth eingeholt. Viel über die Araber gesprochen, dann vom Trio des Scherzo in der…
View moreDie arme Brange ist krank, sie hat gestern drei Junge geworfen, welche bereits tot sind! Ein stilles leidendes Tier, wie erhaben über den unzufriedenen, klagenden Menschen! … [(Schon gut!!)]1 Dieser Scherz von R. macht uns lachen, sonst ist nicht viel Heiterkeit da; Vorbereitung zur Abreise.
View moreR. hatte eine üble Nacht, liest während dem zwei Aufsätze von einem Herrn Löffler über die Götterdämmerung in der Fritzsch'schen Zeitung, welche sehr gut sind. – – R. erzählt neulich bei Tisch, wie er dem armen Mann in Wien, dem er so bereute, nur 10 Kreuzer gegeben zu haben, wieder…
View moreFrau v. Schl. schreibt, daß der Kaiser die Aufführung des Tristan zu Gunsten unseres Theaters befohlen hat, was R. nicht übermäßig freut; er büßt seine Tantièmen dabei ein, und die kleine Einnahme nützt nicht viel. Er arbeitet, ich unterrichte und bereite die Reise vor. Abends verplaudert.
View moreR. hatte eine üble Nacht, er meint, betreffs der neu eingetretenen Ungewißheit in Bezug auf Wien; er arbeitet an der Partitur, doch da er keine Antwort von Amerika hat, nimmt er sich vor, sich nicht zu hetzen. Er kommt sich vor wie in dem Verkehr mit Rio [1] [de] Janeiro…
View moreR. hatte eine gute Nacht, wohl in Folge des Entschlusses, nicht nach Wien zu gehen. Nun telegraphiert aber Dir. Jauner, daß nur die Tageskosten dem Chor abgezogen werden sollen und daß er persönlich mit R. alles besprechen wird. R. telegraphiert abends, ob nicht, da sie sich bei den schlechten Verhältnissen…
View moreBriefwechsel mit dem Aachner Musikfest-Comité, welches sich rühmt, im Jahre 57 Kompositionen von R. aufgeführt und viele Mißhelligkeiten dadurch erlitten zu haben; dafür wünschen sie Herrn Vogl anfangs Juni!! … R. verstimmt gegen Wien; Reise dorthin unwahrscheinlich. Er beginnt die Instrumentierung des Marsches, doch muß er die zwei ersten Seiten…
View moreR. schreibt an Dr Jauner, ob nicht die Aufführung auf eine andere Zeit zu verlegen, da jetzt die Verhältnisse so schlimm. – Deutschland soll nun 11/2 Milliarde verloren haben, und zwar der kleine Stand; die reichen Banquiers tun nur so, geben weniger aus, aus Klugheit, sie haben aber gewonnen bei…
View moreeigenhändiger Brief vom Königlich Bayerischen Hofsekretariat an den Verwaltungsrat der Bühnenfestspiele BayeuthNachlass Richard und Cosima Wagner Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [© Jo Cousins | WAGNER Salon]
View moreJanuar 1876
Kinder-Arbeit und Diktat. R. hat am Nachmittag eine Konferenz, von welcher er tief niedergeschlagen heimkommt! Es will wie eine Tollkühnheit aussehen, daß man die Aufführung in das Auge faßt! 488 Patrone erst sind gewonnen! Dabei steigern sich die Ausgaben, die Presse selbst für Ankündigungen gesperrt! – – – In Paris…
View moreBrieftag, die Kinder sind frei! An R.L. [1] geschrieben, auch Diktat. Abends Bayreuther Geselligkeit, durch Frau v. Staff bereichert. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [© Jo Cousins | WAGNER Salon] [1] Fürst Rudolph Liechtenstein. Weiterführende Dokumente: Further…
View moreDiktat und Unterricht; Besuch bei unserem armen guten Freund Schenk; R. mißgestimmt. Lothar Bucher schreibt, jetzt nur nichts zu unternehmen, der Fürst sei der einzige, auf welchen man sich verlassen könne, und er sei krank. – Abends »Don Quixote«. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER…
View moreDiktat, meine Augen machen mir Not; schöner indischer Spruch: Wer sein Leben [hin]durch schöne Werke hervorbringt, hat die Sinnlichkeit überwunden. Brief des Redakteurs der Weser-Zeitung Hofmann [1], er sagt, wenn man offen die Presse in Bezug auf R. angreifen wollte, hätte man die ganze Meute hinter sich. Herr Bauernfeld [2]…
View moreR. bringt den Tag zu mit einem Schreiben an den König, ich mit Unterricht und Geschäften, abends »Don Quichote«. Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia Bilotti | WAGNER Salon] Revised English translation by Jo Cousins [© Jo Cousins | WAGNER Salon] Weiterführende Dokumente: Further Documents (in German): Documents…
View moreR. nicht ganz wohl; unerfreut über einen Brief von Betz; Fricke [1] wird empfohlen zum Hagen, abends Ball bei dem Regierungspräsidenten! … Worauf für R. und mich bei der Heimkehr eine trauliche Stunde! [1] August Ludwig Fricke (1829 – 1894), Sänger, seit 1856 Baßbariton an der Hofoper Berlin. Traduzione in…
View moreMein hochgeliebter,erhabener Herr und Freund! Ein indischer Spruch heisst ungefähr so: »Man kann die Tiefe des Meeres, die Zahlder Sterne, die Wiedergeburten der Seelenermessen; Niemand aber kann die Gedankeneines Königs wissen, nie und nirgends.« Dieser Spruch kam mir in den Sinn, als ich mit tiefer Bewegung kürzlich das von Ihnen…
View moreMüder Tag – gestern schrieb ich an Freund Bucher, ihm die Gründe anzugeben, weshalb wir nicht an den Reichstag gingen, und zu bitten, daß keine offizielle Bescheidung uns treffen möge bis zu unserem Aufenthalt in Berlin (März). – Abends in »Heinrich IV.« Traduzione in italiano di Claudia Bilotti [© Claudia…
View moreDas gleiche Leben, Stunden, Diktat, nur dabei noch viele abzuwickelnde Geschäfte für mich; abends Schluß von »R. II.«, welcher mich so ergreift, daß ich darüber meinen Nacht-Schlaf verliere.
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